1999 Top20 Longplayer

Die Fußball-WM und sehr viel Arbeit haben mich in den letzten Wochen davon abgehalten, regelmäßig zu schreiben. Vielleicht wird das ab Sonntag wieder besser, ganz sicher aber in ca. einer Woche.

Camel_Rajaz_cover1. Camel – Rajaz
Die erste Camel-CD, die ich gleich mit Erscheinen kaufte. Und für mich der Höhepunkt seit der Wiederauferstehung 1991. Dies ist eine ruhige Scheibe, die von Andy Latimers elegischen Gitarren, stoischer Rhythmusarbeit und den langen, atmosphärischen Songs lebt. Dazu noch die Texte und vor meinem inneren Auge entstehen Bilder und Geschichten!

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Misfits_-_Famous_Monsters_cover2. Misfits – Famous monsters
Inzwischen sind die Misfits der sprichwörtliche „Karnevalsverein“, doch auf den beiden Platten mit Sänger Michale Graves waren sie richtig geil. Dieses ist die zweite und die ist sehr druckvoll produziert, fast schon zu modern. Wie vorher bekommt man zwischen rasend schnellen Punkmetalsongs und ein bis zwei Punkballaden alles geboten, was der Fiend sich wünscht: lustige Horrortexte und ordentlich Chöre und Refrains. Immer wieder super!

PaulaCole-Amen3. Paula Cole Band – Amen
Dies ist keine christliche Platte, aber es geht auch um Gott und um Glauben. Das ist aber alles so vage gehalten, dass ich damit leben kann und für meine Begriffe ist es außerdem Paula Coles intimste und musikalisch interessanteste Scheibe. Modern und teilweise komplex arrangierte Rocksongs mit hervorragenden Musikern und natürlich einem tollen Gesang. Da kommen Emotionen rüber und auch wenn keine wirklich schnellen Stücke dabei sind, reißen die Songs mit.

Incubus_make_yourself4. Incubus – Make yourself
Funkig, rockig, fluffig und dann auch noch hervorragend produziert. Incubus sind in der Alternative Rock-Elite angekommen. Ruhige Liebeslieder aber auch Experimentelles gibt es hier zu hören. Meine Favoriten sind: „Privilege“, „Drive“, „Pardon me“ und „The warmth“.

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Big_Country_Driving_tD5. Big Country – Driving to Damascus
Ihre letzte Studioplatte hat zwar zwei bis drei schwächere Songs zu bieten, aber eben auch reichlich tolle, eingängige Rocksongs. Teilweise sind diese recht poliert – ein wenig 80er Feeling kommt auf, auch wenn das Schlagzeug besser klingt. Andere sind gerade im Gegenteil dreckig produziert und setzen den mit „Buffalo skinners“ eingeschlagenen Weg fort. Die deutsche Version hat noch ein paar der B-Seiten mit drauf und da sind richtige Juwelen dabei. Platz 6 in meiner Big Country-Hitlist.

Therapy_suicide_pact6. Therapy? – Suicide pact – you first
Die abgedrehteste Therapy?-Platte. Viele dreckige Rocker (wie man sie auch beim von Jack Endino produzierten Nachfolger „Shameless“ erwartet hätte), ein paar schräge Nummern und dazu eine psychotische Stimmung prägen diese CD. Dabei werden Gitarre und Gesang teilweise stark verfremdet und in mehreren Spuren übereinander gelegt. Lediglich „Sister“ ist Langeweile pur. Platz 6 in meiner Therapy?-Hitlist.

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brendan_Perry_eye_oth7. Brendan Perry – Eye of the hunter
Brendan Perry ist die eine Hälfte von Dead Can Dance und zwar die songorientierte und weniger an Weltmusik interessierte. Und so klingt seine erste Soloplatte dann auch: eigentlich wie DCD, aber mit etwas mehr Gitarren und weniger Percussion. Jeder der DCD gut findet oder insbesondere auf der Livescheibe „Toward the within“ die stimmungsvollen Gitarrenstücke von Perry gut fand, ist hier gut bedient. Die CD ist besser als die meisten Soloalben von Lisa Gerrard!

RedHotChiliPeppersCalifornication8. Red Hot Chili Peppers – Californication
Ich war nie so ein richtiger Fan der Peppers, aber mit dieser Scheibe und „By the way“ konnten sie mich dann doch begeistern. Sicher auch, weil der Funkfaktor gering war und die Songs größtenteils eingängig und tanzbar sind. Aber im Gegensatz zum Nachfolger ist Californication meiner Meinung nach noch richtig cool und klingt nicht wie eine Selbstkopie, sondern strotzt nur so vor Ideen.

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Primus_Antipop9. Primus – Antipop
Ja, Pop ist das hier nicht, auch wenn ein paar durchaus eingängige Songs dabei sind und so populäre wie zweifelhafte Leute wie Fred Durst und Martina Topley-Bird hier mitproduziert haben. Letztlich ist das aber in großen Teilen das Prog-Album von Primus, mit ausufernden Arrangements und sehr dichter und überlegter Instrumentierung. In dieser Kombination macht es mir – dem eher nicht-so-doll-Primus-Fan – sehr viel Spaß. Vielleicht liegt’s auch an den eingestreuten sehr tollen Gitarren von Tom Morello?

William_Topley_Spanish_wells10. William Topley – Spanish wells
William Topley war früher mal Sänger der Soulpopband The Blessing. Inzwischen hat er weit mehr Musik alleine veröffentlicht. Aber was heißt alleine? Mit dabei sind immer 1-2 Mitglieder seiner alten Band und oft steuern seine Freunde Dominic Miller (Sting-Gitarrist), Mark Knopfler und Colin Vearncombe (aka Black) auch noch was bei. Alles lebt von der großartigen Stimme Topleys und ist instrumentiert mal als sparsame Songwritermusik, mal als Soulpop, mal mit Blueseinfluss usw. Diese CD ist meiner Meinung nach von vorne bis hinten gelungen. Nix für’s Radio, nix für die Disko, eher für Liebhaber.

John-wetton_nomansland11. John Wetton – Nomansland
Als ich diese CD kaufte, hatte ich schon ein paar Soloplatten von John Wetton und die waren alle mittelmäßig, eher schlechte Kopien von der ersten oder zweiten Asia-Platte. „Nomansland“ ist eine Livescheibe, auf der Wetton neben Solostücken auch Songs von King Crimson, UK und Asia zum besten gibt. Natürlich wird alles ein bisschen einfacher und kitschiger, aber trotzdem hat diese Aufnahme eine tolle Atmosphäre und die alten Stücke kommen bewegend rüber und sind super gesungen. Seine Band besteht aus erfahrenen NeoProggern. Ja, es sind nicht die ganz alten Menschen aus den 70ern, sondern die Folgegeneration: David Kilminster und Martin Orford etwa.

NMA_nobodyelse12. New Model Army – …& nobody else!
Noch ein Livealbum, das dadurch zu gefallen weiß, dass New Model Army hier als ihre eigene Vorgruppe auftraten und viele Songs in akustischem Gewand darboten. Auch der Rest des Sets legt den Schwerpunkt eher auf die Atmosphäre als auf den Rock. Und da ich die Band damals live sah und begeistert war, ist dies für mich noch mehr eine ausgesprochen gelungene, tolle Aufnahme!

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Three-Fish-The-Quiet-Table13. Three Fish – The quiet table
Ein spirituell und weltmusikalisch angehauchtes Projekt von Pearl Jam Basser Jeff Ament, Tribe After Tribe-Kopf Robbi Robb und Richard Stuverud, der vor allem durch die Fastbacks und War Babies bekannt ist. Ich finde, diese CD ist ein Gesamtkunstwerk mit einer wirklich orientalischen Atmosphäre und ungewöhnlichen, interessanten Songs. Und dabei etwas besser als der selbst benannte Erstling.

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VA_ShortMusicForShortPeople_albumcover14. V.A. – Short songs for short people
Dies ist eine Compilation von Fat Wreck Chords, auf der 101 Bands jeweils einen ca. 30sekündigen Song spielen. Das ist doch schonmal cool! Dazu kommt, dass fast alle Bands in der Punkszene gute Bekannte sind und dass fast alle Songs Neuaufnahmen sind (einzelne Ausnahmen gibt es). Natürlich kann man das nur gelegentlich am Stück hören, aber ich bin trotzdem noch immer begeistert von dieser CD!

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BloodhoundGang-HoorayForBoobies15. Bloodhound Gang – Hooray for boobies
1999 liefen die Hits dieser CD überall und die Bloodhound Gang war live ein echter Spaß und kein peinliches Göbelprojekt. Zwar muss man sich an die stilistische Vielfalt der Platte gewöhnen und es sind auch ein paar weniger gute Stücke dabei, dennoch ist das eine gute Scheibe und zwar ihre beste (von den vier veröffentlichten Studioalben).

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No_Use_for_a_Name_-_More_Betterness!_cover16. No Use For A Name – More betterness!
Mein Erstkontakt mit NUFAN, mal abgesehen davon dass ich sie schonmal live gesehen hatte, was aber nicht im Gedächtnis hängen blieb. Diese Scheibe gefällt mir wegen der Melancholie, den nachdenklichen Texten und weil sie vom Anfang bis zum Ende gut durchläuft und keine Ausfälle dabei hat. RIP Tony Sly.

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CSNY_lookingforward17. Crosby. Stills, Nash & Young – Looking forward
Man hat nicht damit gerechnet, aber 1999 kam tatsächlich ein neues Album des legendären Quartetts heraus und es war sogar sehr gut! Alles wie man es sich wünscht: wundervolle Akustikgitarren, super mehrstimmiger Gesang und das alte Hippiefeeling!

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Cranberries_BuryTheHatchet18. Cranberries – Bury the hatchet
Eigentlich kann man hier die Cranberries sofort erkennen an den zuckersüßen Melodien, der leicht rockigen Gitarre und natürlich an Dolores O’Riordans Gesang. Viele Songs bleiben im Ohr hängen und ein bis zwei wurden sogar im Radio gespielt. Insofern eine tolle Platte, dennoch ist ein leichter Abfall gegenüber dem Vorgänger „To the faithful departed“ zu bemerken, der sich danach fortsetzte. Da wurden ein paar Elemente des Cranberries-Sounds zur Formel und die Abwechslung fehlte. Nichtsdestotrotz eine sehr gute Scheibe!

Oysterband_Here_i_stand19. Oysterband – Here I stand
Massenweise tolle Songs sind auf diesem Album der Oysterband. Ganz typisch die Oysters, mal kurze Instrumentals, mal Singalong-Folksongs und mal etwas rockiger. Trotzdem nicht meine Lieblingsplatte, sondern eben nur gut. Das liegt an der schwammigen Produktion, die nicht so recht weiß, ob es eher Folk oder Rock oder gar Songwriter sein soll. Leider verkaufen sich die Songs so schwächer, als sie sind. Gerade live merkt man, dass hier reichlich Perlen drauf sind.

Fish_raingods20. Fish – Raingods with zippos
Ich war skeptisch diesem Album gegenüber, obwohl Mickey Simmonds. der die hervorragenden ersten beiden Soloplatten von Fish geprägt hatte, mitmachte. Letztlich ist Fish hier eine gute Scheibe gelungen, die ein wenig an der undifferenzierten Produktion und dem mangelnden Willen, sich für richtigen NeoProg zu entscheiden, krankt. Am besten gefällt mir die Studioversion von „Faith healer“, einem Cover der Sensational Alex Harvey Band. Der Song hätte es verdient gehabt, dass er die Diskos rockt. Der Longtrack „Plague of ghosts“ ist nicht schlecht, aber auch nicht der Höhepunkt, den man sich erhofft hatte. „Incomplete“ nervt, aber alle anderen Stücke rocken mehr und sind interessant arrangiert.

Stay alive and rock on
Harvey

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