Playlist 2.7.14 mit Bonusstory

albumsHeavens – Patent pending

Joseph Arthur – Come to where I’m from

PJ Harvey – White chalk

Anne Clark – Hopeless cases

Seaweed – Four

Sepultura – Schizophrenia

Van Der Graaf Generator – Trisector

x

Bonusstory (aus der Reihe „Kindheitsquatsch“):
Gerade las ich im Ox-Fanzine einen Artikel über das Schallplattenpresswerk in Diepholz. Und das erinnerte mich total an meine Kindheit.
Nicht weil ich schon immer ein Vinyl-Fanatiker gewesen wäre. Bin ich auch heute nicht, das Foto oben zeigt bis auf die Singles schon ca. 2/3 meiner Plattensammlung. Und als ich meinen ersten Plattenspieler (zur Konfirmation) bekam, wurden bereits CD-Player verkauft und ein Jahr später hatte ich auch einen. LPs wurden für mich zur zweiten Wahl.

Aber… ich bin in Diepholz aufgewachsen. Und in der Grundschule machten wir tatsächlich mit der Klasse eine Werksbesichtigung in eben jenem Schallplattenwerk! Und wenn ich den Fotos im Ox und meiner Erinnerung trauen kann, hat sich seit damals nicht sehr viel verändert.
In der Grundschule sagte mir das alles herzlich wenig. Es war eben eine „Fabrik“ und da stank es und Maschinen liefen und überall lagen Reste von diesem schwarzen Zeug rum.
Dann aber kamen die „Chips“ ins Spiel!
Keine Ahnung, ob die schon vorher angesagt gewesen waren, vermutlich ja. Ich rede nicht von Kartoffelchips, die waren damals noch nicht angesagt, ich kannte sie nicht. Nein, es ging um kleine Vinylplättchen mit einem Loch in der Mitte, die entstanden, wenn aus einer Single das Mittelloch ausgestanzt wurde!
Während meiner Zeit in der Grundschule und noch mindestens zwei Jahre länger waren diese „Chips“ ein sehr angesagtes Sammelobjekt! Es gab sie in zig verschiedenen Farben, entsprechend des aufgeklebten Labels. Und einige hatten gar keinen Papieraufkleber, die waren am wertvollsten.
Wir zogen die Chips auf eine Paketschnur, die unten einen dicken Knoten hatte, und nahmen sie so mit zur Schule. Diese Schnur war bis zu einem Meter lang und mit Chips unterschiedlicher Seltenheit angefüllt. Manche hatten so viele, dass sie zuhause nochmal einen solchen Meter rumliegen hatten.

Jetzt wollt ihr schon gespannt wissen, was wir denn mit den Teilen gemacht haben.
Wir haben sie an die Wand geworfen!
Zwei bis fünf Spieler versammelten sich in 50cm bis 1,50m Abstand vor einer Wand – oft wurde eine Startlinie gezogen – und schleuderten dann abwechselnd Chips an die Wand. Wer nach einer bestimmten Rundenzahl am dichtesten an der Wand dran lag, hatte gewonnen. Ah, nein, nur fast!
Denn es gab noch eine Geschicklichkeitsübung zu erfüllen! Man musste alle vor der Wand liegenden Chips (mindestens vier, manchmal aber auch 40) auf die ausgestreckte Handfläche legen (übereinander aufgestapelt) und dann in einer komplizierten Übung hochwerfen, auf der umgedrehten Handflächen landen lassen, jene wegziehen und dann von oben den ganzen Packen auffangen.
Bei 40 Stück unmöglich! Aber es gab Profis, die durchaus mehr als 20 auf einmal fangen konnten.
Alles was gefangen wurde, war Siegprämie. Der Rest ging an den Zweiten, der die gleiche Übung vollführen musste.

In der Orientierungsstufe haben wir dieses Spiel dann nicht mehr gespielt. Meine zahlreichen Chips lagen rum und hatten keinen Wert mehr. Irgendwann habe ich sie dann in den Müll befördert. Nicht einer hat überlebt. Schade.

Wo kriegte man die Chips her?
Tja, man fuhr einfach zu Pallas hin und klopfte an der Werkstür und fragte danach. Und schwuppdiwupp hatte man ’ne ganze Plastiktüte voll und war der Held! Das habe ich einmal selbst gemacht und war sehr stolz, dass ich meine Angst überwunden hatte (da einfach durch das Tor zu gehen und an der Tür zu klopfen und zu fragen).
Ein anderes Mal war ich auch mit meinem Onkel auf der örtlichen Mülldeponie, weil mein Onkel hoffte, dort wertvollen Schrott oder antiken Kram, den er aufarbeiten könnte, zu finden. Irgendwas hat er auch mitgenommen, aber viel war es nicht. Trotzdem ein tolles Erlebnis. Wer kann schon behaupten, mal auf einer regionalen Müllkippe ausführlich spazieren gegangen zu sein?
Bei der Gelegenheit fand ich dort auch Müll aus dem Schallplattenwerk. Und zwar keine Chips, auf die ich gehofft hatte, sondern Reste von Fehlpressungen. Offenbar war es üblich, bei misslungenen Langspielplatten den Rand abzuschneiden, so dass das Vinyl dann nur noch den halben Durchmesser hatte. Das Label war aber schon drauf und cool sahen diese ca. 7″ Scheiben auch aus. Ich nahm einen ganzen Stapel mit und konnte sogar mehrere davon (trotz Dreck und Kratzern) zuhause abspielen. Leider wollten die Mitschüler die „großen Superchips“ nicht als besonders tolle Währung akzeptieren, so dass die Teile bei mir zuhause ihr Dasein fristeten und irgendwann auch weggeworfen wurden. Schade!

Im Ort war die Schallplattenfabrik damals zwar bekannt, aber auch nicht als besonders interessant oder wichtig eingestuft. Die meisten Leute wussten wenig bis gar nichts darüber und ich bin auch seit der Grundschulzeit nie wieder dort gewesen. Allerdings habe ich mich immer gefragt, was denn für Schallplatten dort hergestellt würden. Auf denjenigen, die ich so hatte, stand immer ein anderen Herstellungsort.
Erst als Student ergatterte ich dann eine Scheibe, die eindeutig aus Diepholz kam, denn sie hatte als Promo-EP ein Testlabel von Pallas. Es war die (auch heute noch) geniale „Pay the price“-12-inch von den Rostok Vampires aus dem Jahr 1989.
Verrückterweise hatte meine Schwester Ende der 80er Freunde, die auf die Rostok Vampires standen und die „Misery“-CD hatten. So lernte ich die Band kennen. „Torment of transformation“ konnte man dann leichter bekommen, die war allerdings nicht mehr so gut.

rostok_vampires

Linktipp: http://www.pallas-group.de/

Stay alive and rock on
Harvey

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