eels Top10 Longplayer

eels

Die eels haben seit 1996 10 Studioalben und eine B-Seiten Kompilation veröffentlicht. Zusätzlich gibt es vom Sänger und Multiinstrumentalisten Mark Oliver Everett einen Soundtrack (zum Film „Levity“), eine Soloplatte unter dem Namen Mark Everett und zwei Soloplatten als E (alle drei bereits vor 1996).

Sämtliche dieser Scheiben ziehe ich für meine Top10 heran.

Nicht berücksichtigt wird die unter dem Namen MC Honky herausgebrachte CD „I am the messiah“, weil sie stilistisch überhaupt nicht meine Sache ist.

eels-BeautifulFreak1. Beautiful freak (1996, 43:55)

Das Cover von dieser CD hat mich erst abgeschreckt. Sieht ja irgendwie fies aus. Im ersten Moment wirkt es so, als könnten die Augen tatsächlich echt sein. Und sofort merkt man, dass hinter den eels ein ziemlich schräges Hirn steht.

In der Instrumentierung dominiert die Gitarre, die sehr melodisch ist, teilweise sogar Richtung Country geht, aber auch mal kurze Noise-Attacken liefert und recht häufig soliert. Dazu gibt es polternde Drums und einen düsteren aber sehr songdienlichen Bass. Einige Stücke warten auch mit Orgel oder Klavier auf und fallen daher etwas aus dem Rahmen des Üblichen.

Über allem thront E’s Stimme, die unverwechselbar ist und den abgedrehten Texten sehr passend Ausdruck verleiht.

Diese Texte sind ein Kernstück der Platte. Für mich machen sie einen Großteil des Charmes dieser CD aus. E beschreibt den Irrsinn des Lebens, die dunklen Seiten der Gesellschaft und persönliche Schicksale. Dabei sind Musik und Text von der Stimmung her manchmal genau entgegengesetzt oder Songs sind so arrangiert, dass man sie für eine Parodie auf andere Songs mit derartigen Texten halten kann. So wirkt bei „Flower“ der an einen Kirchenchor erinnernde Chorgesang eher makaber und bei „Spunky“ könnte man denken, es handele sich um ein Liebeslied.

Es geht also vielfach um „Freaks“ und die Eels machen auch klar, dass sie Sympathie für diese hegen. „Your such a beautiful freak, I wish there were more just like you.“ Das gefällt mir, denn ich finde ein leichtes Freaktum wesentlich besser als glatte und damit total langweilige Persönlichkeiten.

Eines meiner Lieblingslieder ist „Rags to rags“, da es sehr rockig ist und eingängig. Dabei finde ich den Wechsel von ruhigeren, nachdenklichen Parts und dem etwas punkig angehauchten Geschrammel im Refrain besonders gelungen. Eine Hymne.

Der Oberhit für mich ist allerdings „Not ready yet“. Von der Gitarre her nicht unähnlich zum zuvor genannten, ist die Stimmung dieses Songs jedoch noch bedrückender. Und ein genialer Text: „There’s a world outside, and I know cause I’ve heard talk. In my sweetest dreams I would go out for a walk. But I don’t think I’m ready yet…“

Und dann sind da natürlich auch noch die inzwischen fast schon abgenudelten kleinen Hits „Novocaine for the soul“ und „Susan’s house“, an denen besonders deutlich wird, dass „Beautiful freak“ auch produktionstechnisch innovativ und damit ein richtiges Meisterwerk ist.

Mit auf dieser Platte befindet sich auch „My beloved monster“, das es inzwischen in unzähligen sehr unterschiedlichen Liveversionen gibt. Denn egal wie die Zusammensetzung der Liveband auch sein mag – E spielt diesen Song!

Die CD gibt es auch mit Bonus-Maxi, die sich lohnt (sofern man nicht „Useless trinkets“ kaufen will.)

Eels-Daisies_Of_The_Galaxy2. Daisies of the galaxy (2000, 44:18)
Als dieses Album erschien, hatte ich noch nicht verstanden, dass jede eels-Scheibe möglichst ganz anders klingen muss, als die davor.

Denn auf dieser Platte beherrschen plötzlich gute Laune, Swing und Pop die Songs! Undenkbar, wenn man die ersten beiden liebte!

Dazu wird hier schön oft auf Klavieren und Orgeln rumgehackt und der Gitarrensound ist stark verfremdet und überhaupt nicht rockig.

Heute finde ich das super und stufe „Dasies of the galaxy“ als zweitbeste eels-Platte ein. Damals waren viele meiner Freunde und auch viele Kritiker nur zu einem sprachlosen Kopfschütteln in der Lage.

Getoppt wird das Spektakel dann noch von der Tatsache, dass die erfolgreichste Singe „Mr E’s beautiful blues“ nur als „secret bonus track“ auf der Scheibe war!

Ebenfalls eine Single und noch oft im Liverepertoire ist „Flyswatter“. Ansonsten sind meine Lieblingslieder „The sound of fear“ und „I like birds“.

Was das Cover uns genau sagen soll, weiß ich nicht, aber es bringt die Stimmung wohl rüber und ein Hund ist drauf (bzw. zwei).

Die CD gibt es als Jewelcase und als Digipak. Musikmässig sind die Ausgaben völlig identisch.

Eels_-_Wonderful,_Glorious3. Wonderful, glorious (2013, 49:41 bzw. 01:30:31)
Gleich in die Spitzengruppe hat es die neue Scheibe geschafft! Genaue Besprechung erst vor Kurzem hier.

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eels_Souljacker4. Souljacker (2001, 40:35)
Als diese Platte erschien, fand ich sie zunächst großartig, auch weil mir der Vorgänger „Daisies of the galaxy“ noch immer fremd war.
„Souljacker“ ist überwiegend rockig und stellenweise sogar schräg und abgefahren.
Nach zwei bis drei Jahren hatte sich dann die Originalität der Scheibe erstmal abgenutzt. Der Song „Souljacker pt. 1“ lief und läuft hin und wieder mal in Rock/Indie-Discos – da freut man sich – aber sonst begannen die schrägen Teile der CD mich zu nerven.
Mit etwas mehr Abstand sage ich jetzt: „Souljacker“ kriegt die Balance zwischen Gitarrenrock, abgefahrenem Shit und eher poppigen eels-typischen Songs ganz gut hin! Anfangs mag man meinen, „Souljacker“ sei stilistisch etwas zerfahren und zudem produktionstechnisch eher billig aufgenommen, so entpuppen sich auf Dauer „Woman driving, man sleeping“ und „Friendly ghost“ doch als eels-Klassiker und auch „Dog faced boy“ hat was.
Im Endeffekt also ein seltsamer Hybrid zwischen Kurzzeithit und Grower.

Die CD gibt es in einer regulären (Einzel-CD-)Fassung und in zwei Versionen mit Bonus-Maxi. Beide Bonüsse sind teilweise nicht in der B-Seiten-Kollektion enthalten und lohnen daher.

Eels_-_Shootenanny!5. Shootenanny! (2003, 41:24)
„Everybody knows these are rock hard times“ steht auf der schlichten Hülle der CD. Ändert sich jetzt alles?

Ja. Und nein.

Dort steht nämlich nicht „hard rocking times“ oder „hard rock times“, sondern eben „rock hard times“. Das ist zweideutig und bedeutet in jedem Fall etwas ganz anderes als die beiden ersten Ausdrücke.

Auch hier kein MTVIVA-tauglicher Rock. Dies ist Musik für Leute über 20. Musik von einem, der das ganze Elend des Daseins beobachtet und in jeder Ader fühlt und dementsprechend darüber singt.

Aber doch nicht nur. Denn diese Platte ist zum einen von der Gesamtstimmung her recht positiv und zum anderen ziemlich Pop-orientiert.

Ich habe ja schon öfter über die Bedeutung des Wortes „Pop“ nachgedacht. Hier meine ich damit, dass man 13 richtige Songs geliefert bekommt. Keine Krachexperimente und keine zweiminütigen Trauerfragmente. Stattdessen Refrains und Melodien. Angenehme Gitarrenläufe, Keyboards zum Fußwippen und nahezu keine Computergeräusche (Beats oder sowas).

Als ich die CD zum ersten Mal hörte, musste ich sogleich an E’s zweite Soloplatte „Broken toy shop“ denken, denn es gibt deutliche Parallelen.

Würde man die Eels nicht kennen und wären da nicht die weiterhin psychotischen Texte (ich rate zum Teil, denn sie sind nicht abgedruckt), dann ginge das hier auch als ein Crossover zwischen modernem Gitarren-Country-Rock mit etwas Britpop durch. Hier und da könnte man auch mal alte REM als Vergleich heranziehen oder auch meine Freunde von Del Amitri.

Gegenüber „Broken toy shop“ sind weniger Streicher und etwas mehr Gitarren vorhanden und das Songwriting ist vielleicht ein wenig ausgereifter. Trotzdem ist es keine Kopie jenes zehn Jahre alten Werkes, denn die Instrumentierung ist variabler und keiner der Songs erinnert speziell an einen der älteren.

Der Vorgänger „Souljacker“ war da ganz anders. Es gab da durchaus einzelne Stücke, die auch hier auf „Shootenanny“ gepasst hätten. Aber: jene Platte hatte ein paar recht extreme Ecken und Kanten.

Auf dieser CD hat sich das geändert. Die Songs fassen sich gegenseitig am Händchen und schunkeln. Keiner findet den Nachbarn doof, keiner tanzt aus der Reihe. Das schlichte Cover, das irgendwie Ruhe ausstrahlt, passt somit sehr gut.

Schlichte Platte, unaufdringlich, aber gut! Deswegen auch trotz mehr Pop wieder nichts, was sich reissend verkaufen wird und auch nix für Tanzflächen. So passt es auch, dass keine schlechten Lieder drauf sind und auch keine, die besonders herausragen. Trotzdem erwähne ich kurz zwei Titel als Reinhörtipp:

„Restraining the blues“ gehört zum Ruhigsten auf der CD. Eine leise Akustikgitarre, ein Klavier und eine etwas lautere Country-Gitarre. Dazu softer Gesang, ein Lied das andere Gruppen in ähnlicher Weise auch schonmal gemacht haben, für die Eels aber dennoch neu ist. Blues ist da durchaus dabei, ein Touch von Songwriter-Zeug auch.

Danach kommt „Lone wolf“, mein Lieblingssong und ein schnelleres Stück. Treibender Rhythmus, Singalong-Melodie, dezente aber wirkungsvolle Leadgitarre. Auch wieder nicht spektakulär, aber dennoch fein.

Erwartet hatte ich diese Platte nicht in dieser Form. Aber wer weiss schon, was man von E erwarten kann?

Eels-Blues6. Electro-shock blues (1998, 48:18)
Das Cover dieser Platte erinnert mich an die Zeichnungen zum „Kleinen Prinzen“. Allerdings hat die CD mit dieser lehrreichen und ermutigenden Geschichte wenig gemein. (Und das auf dem Cover sind vermutlich Es Mutter und Schwester im Himmel.)

Der Titel lässt es auch vermuten, ich würde ihn mal frei mit „Elektroschock Depression“ übersetzen. Ja, die Scheibe ist ganz anders als die erste Eels, was zum einen natürlich gut und auch wieder nicht so gut ist. Denn wo „Beautiful freak“ abgefahren Indie-rockig war, gibt’s hier auf einmal weniger Gitarren, mehr Orgeln und eine insgesamt ruhige bis depressive Grundstimmung. Damit muss man erstmal klar kommen, denn die rockigen Solos von „Rags to rags“ sucht man vergeblich. Stattdessen hört man manchmal Streicher und fühlt sich rein in eine Stimmung, die zu Boden drücken kann.

Aber nach häufigerem Hörgenuss gefiel mir die CD dann doch und im Laufe der Jahre hat dieser Gefallen nicht abgenommen. Es sind hier zwar nicht so wahnsinnig tiefgründige Songs dabei, die sich einem erst nach und nach erschließen würden, trotzdem braucht man eine Eingewöhnungszeit.
Auch keine der späteren Platten ist vergleichbar mit dieser.

„Life is funny, but not haha funny. “
Ein extrem passendes Zitat zu dieser CD und auch zu den Eels generell. Wenn man E’s Meinungen zu Kommerz in der Plattenindustrie und künstlerischer Freiheit liest, dann ist es kein Wunder, dass eine Scheibe wie diese auf „Beautiful freak“ folgte: es gibt (fast) keine tanzbaren Songs, im Gegenteil, der Fan des sehr erfolgreichen Vorgängers wird erstmal vor den Kopf gestoßen.

Aber genaues Hinhören offenbart, dass die Platte doch eine interessante andere Version der Eels bietet und zudem weniger traurig als zunächst empfunden ist. Es sind sogar ein paar Dauerbrennersongs dabei: „Cancer for the cure“, „Hospital food“, „Last stop: this town“ (da hab‘ ich mal im Fernsehen das Video zu gesehen!) und „PS: You rock my world“. Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch einige Stücke, die ich fast nie höre, weil ich finde, sie bringen nix: „Baby genius“ und „Dead of winter“ etwa.

Die Eels-Platten beschäftigen sich immer auch mit Leuten, denen es schlecht geht. Sei es Verlierertypen oder Psychowracks. Bei „Electro-shock blues“ geht es in mehreren Songs um E’s Schwester Elisabeth, die sich vor Entstehung der Scheibe umbrachte. Wenn man das im Hinterkopf hat und die Texte liest, dann sind diese erschreckend, weil sehr offen und ungeschönt. Antworten oder Hoffnung gibt es hier nicht, eher schon Verständnis für die Flucht aus einer beschissenen Welt.

Ich persönlich halte nun gar nichts von Selbstmord. Als Kurt Cobain sich umgebracht hat, war ich nicht traurig. Ich dachte stattdessen: „Du Idiot!“. Dazu gibt’s übrigens auch ein paar sehr interessante Gedanken auf der Homepage von Jack Endino (Producer von „Bleach“ und massenhaft anderen Platten).
Allerdings war ich auch noch nie so verzweifelt, vielleicht ist das einfach nicht meine Gefühlslage. Ich bin Optimist, meistens jedenfalls.

Hier auf der CD werden sehr nachvollziehbar depressive Stimmungen vermittelt und der Wahnsinn, der an vielen Ecken im Leben lauert. In dieser Hinsicht also doch eine ähnliche Platte wie „Beautiful freak“, wenn auch etwas düsterer und ruhiger instrumentiert.

Von heute aus betrachtet sehr reizvoll, dass jede Eels-CD eine andere Stimmung besitzt und dabei für sich genommen sehr geschlossen klingt. Das ist etwas, was dem E bei seinen beiden Soloveröffentlichungen noch nicht gelungen war.

E_Broken-toy-store7. Broken toy shop (E solo, 1993, 46:28)
Seit seiner Jugend war Mark Oliver Everett am Musikmachen und Songschreiben und dann, Anfang der 90er, gelang es ihm, bei einer großen Plattenfirma unterzukommen. Das war einige Jahre vor den eels. Es stellt sich natürlich die Frage, ob er damals ganz andere Musik machte. Denn immerhin hat er den Namen des Projektes geändert.

Textmässig ist hier eine Ähnlichkeit zu den beklemmenden, den Wahnsinn der modernen Welt beschreibenden Texten der Eels festzustellen. So sagen auch schon einige Songtitel, wo’s lang geht: „A most unpleasant man“, „The day I wrote you off“, „She loves a puppet“.

In diesem Zusammenhang habe ich überlegt, was wohl der Titel der CD bedeuten soll: ist hier ein zerstörter Spielzeugladen oder ein Geschäft für kaputtes Spielzeug gemeint? Im Eels-Universum würde ich eher zu letzterem tendieren, da es eben die „kaputtere“ Variante ist. Trotzdem bleibt die Frage, warum die Platte überhaupt so heißt. Vielleicht sind die Songs die Spielsachen: nicht so richtig nette Popsongs und daher ein bisschen kaputt?

Von der Musik her gibt es etwas mehr Unterschiede zu den Eels. Allerdings klingt bei denen auch keine Platte wie die andere und von daher kann man diese hier gut als Vorgänger von „Beautiful freak“ einordnen. Vor allem ist die Sache etwas ausgereifter und besser produziert als E’s vorherige Scheibe. „A man called E“ ist auch nicht daneben aber eben doch fast ein Erstling (vom jugendlichen „Bad dude in love“ mal abgesehen, das wohl mit voller Absicht nie rereleased wurde), der mit der Erfahrung späterer Jahre vielleicht anders klingen würde.

Eels-Fans werden einen Song von „Broken toy shop“ schon kennen: „Manchester girl“ war in einer BBC-Version B-Seite auf ’ner Maxi-CD der Eels. Das Stück klingt auf dieser Platte durch zusätzliche Instrumente ein kleines bisschen fröhlicher. Dennoch dominiert das Klavier und wie bei eigentlich allen Stücken E’s Stimme. Jene finde ich sehr prägnant und ausdrucksstark, so dass ich manchmal fast glaube, mit dieser Stimme könnte mir der Kerl jede Musik als interessant verkaufen.

Der Song „Someone to break the spell“ wurde u.a. mit Susanna Hoffs (Bangles) zusammen geschrieben. Herausgekommen ist eine etwas schnellere Gitarrenpop-Nummer, die gar nicht traurig wirkt und durchaus auch von den Bangles dargeboten werden könnte. Ein klein wenig stören hier die Streicher, die leider bei vielen Songs dieser CD zumindest an den ruhigeren Stellen zu hören sind. Die hätte man ruhig weglassen können (vgl. „Permanent broken heart“).

Im Vergleich zu den Eels ist insgesamt die Stimmung der Musik positiver. Dazu tragen auch die leicht Country-infizierte Orgel und die weniger heftigen, dafür aber hin und wieder akustischen, Gitarren bei.

So ist beispielsweise „Eight lives left“ ein sehr ruhiges Lied, das aber eben nicht erdrückend depressiv klingt, wie manche Sachen der Eels. Andere Songs wie etwa „The only thing I care about“ oder „L.A. River“ sind Pop pur und dementsprechend von Stimme und Text abgesehen heiter und zum Mitschunkeln. Das ist schon nahe daran, zu oberflächlich zu sein, kriegt aber für meinen Geschmack die Kurve gerade noch.

Hervorheben möchte ich auch noch das erste Stück „Shine it all on“, das vom Aufbau her zwar ein recht konventioneller Songs ist, aber dafür durch eine dichte Instrumentierung sehr stimmungsvoll geraten ist. Hier kann man auch ein bisschen mehr Indie-Element erkennen, im Gegensatz zu den meisten anderen Stücken.

Eels_-_Hombre_Lobo8. Hombre lobo (2009, 40:16)
Der E hat einen Bart bis auf die Brust. Er scheint das Freaksein ein bisschen zu kultivieren. Aber wir wissen ja, dass Freaks „beautiful“ sind.

„Hombre lobo“ ist für mich das rundeste Werk seit „Electro-shock blues“. Hier gibt es keine Songs, die nicht anhörbar sind. Weder solche, die einfach nur Krach sind, als auch nicht solche, die zu süßlich und schleimig klingen. Im Gegenteil: die Scheibe findet den Rock wieder und klingt sehr gut produziert und abgemischt. Pop ist natürlich auch mit dabei. Nicht jedes Stück ist ein Hit, es sind auch mittelmäßige Songs dabei. Aber sie sind in der Minderzahl.

Dazu kommt, dass die Texte diesmal eine Art Konzept verfolgen. Dies wird auf dem Cover schon angedeutet: „12 songs of desire“. Anders gesagt, es geht um Frauen. Und die Sichtweise ist die eines Mark Oliver Everett, auch wenn der behauptet, sich in irgendwen anders reinzuversetzen. Mir persönlich gefallen die Texte. Everett ist wohl nicht gerade der Aufreißer vor dem Herrn und lebt auch sehr zurückgezogen. Das spiegelt sich in nachdenklichen, frustierten und traurigen Lyrics wider.

Meine Lieblingsstücke sind „Fresh blood“, „What’s a fella gonna do“, „My timing is off“ und „Beginner’s luck“.

Trotzdem kommt die Scheibe hier nur auf dem 8. Platz und das liegt auch wieder an der Eingängigkeit und der glatten Produktion. Denn bei den besten eels-Platten kommen eine innovative Produktion und abwechslungsreiche (gute!) Songs zusammen und das kann diese hier so nicht liefern. Aber dafür ist sie solide und anhörbar und daher auch immer noch locker in die Top 10.

E_A-man-called-e9. A man called E (1992, 32:07)
Dies ist – mit ein paar Ausreißern – eine Popplatte, die an manchen Stellen schon zu glatt wirkt.
Es Stimme kommt oft weniger intensiv rüber als später und die Produktion ist eindeutig noch von den 80ern inspiriert.

Aber trotzdem lassen sich hier bei manchem Songs gute eels-Tugenden erkennen: „Nowheresville“ vereinigt Schunkelmusik mit nachdenklichem Text, „Symphony For Toy Piano In G Minor“ ist genau das was der Name sagt und damit auch ein großer Quatsch und somit genial. „You’ll Be The Scarecrow“ kann fast als typisches eels-Klavierlied mit traurigem Unterton durchgehen. „Mockingbird Franklin“ gefällt mir auch noch ganz gut.
Der Rest bleibt eher nicht hängen oder nervt sogar, was aber manchmal auch einfach nur an der aufgeblasenen Instrumentierung und Produktion liegt.
Insgesamt also eher eine CD für Fans und keinesfalls ein „Muss“.

Eels_-_End_Times10. End times (2010, 39:56 bzw. 50:00)
„End times“ ist das zweite Album der Trilogie, die mit „Hombre lobo“ begann. Im Gegensatz zu dieser geht es hier um Beziehungsprobleme und Trennung – offenbar inspiriert von Es kurzlebiger Ehe.

Es gibt die CD als special edition mit zusätzlicher Bonus-Maxi-CD, allerdings muss ich sagen, dass die vier Bonusstücke mich nicht vom Hocker reißen.

Ganz gut finde ich „In my younger days“, „A line in the dirt“, „Unhinged“ und „Little bird“. Insgesamt finde ich, dass die Platte etwas daran krankt, dass alle Songs seehr ruhig sind und auch von der Instrumentierung her kaum Abwechslung zu vernehmen ist.
Ich höre immer gerne einen eels-Klaviersong, aber zu viele davon am Stück kann ich dann nicht so gut vertragen.
Auf „End times“ sind nicht nur Klaviersongs, trotzdem habe ich das Gefühl, dass hier die Texte wichtiger waren als die Komposition und leider kann ich den Texten auch nicht so wahnsinning viel abgewinnen.
Aber bei drei Platten in zwei Jahren ahnt man schon, dass die Qualität ein wenig auf der Strecke bleibt. Insbesondere wenn (hier) alles nur von einer Person komponiert wurde. Und eingespielt hat er auch das Meiste selbst!

Hervorheben möchte ich noch die umfangreiche Zusammenstellung „Useless trinkets“ (2008), die auf zwei CDs insgesamt 50 B-Seiten bzw. andere Versionen von Songs aus den Jahren 1996 bis 2007 vereint.

Und es sind sogar noch unveröffentlichte Stücke mit dabei. Klar, einzelne Songs fehlen mal wieder, aber trotzdem kann man sagen: ein Großteil der eels-B-Seiten ist gut und lohnt sich! Und dann gibt’s auch noch eine DVD dazu, auf der sich ein kurzes aber sehr abgefahrenes und daher sehenswertes Konzert der eels befindet.

Nicht in der obigen Lister erwähnt wurden: „Bad dude in love“ (als Mark Everett, 1985), „Blinking lights and other revelations“ (2005), „Levity“ (Soundtrack; E solo bis auf zwei Songs, 2003), „Tomorrow morning“ (2010).

 Stay alive and rock on
Harvey

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5 thoughts on “eels Top10 Longplayer

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