Steven Wilson: The raven that refused to sing

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Sehr viele Menschen waren gespannt auf Steven Wilsons neue Platte, die am ersten März veröffentlicht wurde.
Es ist seine dritte Soloplatte (die Tapes aus den 80ern nicht mitgerechnet) und er hatte angekündigt, dass sie anders werden würde, als ihre Vorgänger.
Zudem hatten Porcupine Tree 2009 mit „The incident“ sogar Platz 17 in den deutschen Charts erreicht, waren/sind also quasi Mainstream und „Grace for drowning“ von 2011 war ähnlich erfolgreich gewesen.

Kurz nach Erscheinen von „The raven that refused to sing“ sah ich Steven Wilson mit Band in Hamburg live und es war es faszinierendes, fesselndes Erlebnis. Die neuen Songs fügten sich hier nahtlos in die „alten“ ein.
Das hatte ich gar nicht erwartet. Denn die neue Platte ist doch recht anders als die beiden vorherigen. Erst jetzt wird mir klar, was Wilson meinte, als er vor zwei Jahren sein Solowerk als „Jazz-Prog“ bezeichnete. Und erst jetzt merke ich, dass sein erster Alleingang „Insurgentes“ zwar einerseits orientierungsloser aber andererseits ausgesprochen genial war.

Der Rabe ist im Vergleich ein Pop-Album.
Natürlich ist es kein Popalbum, aber der Jazz des Vorgängers ist nur bei intensivem Hören zu erkennen und stattdessen sind die allseits bekannten Proggiganten (Yes, ein bisschen ELP, ein bisschen Pink Floyd, ein wenig King Crimson) wie Puppenspieler die Fädenzieher bei dieser Platte.

So verwundert es einerseits nicht, dass „The raven“ noch erfolgreicher geworden ist, dass es von allen Seiten gelobt wird und dass die Konzerte alle ausverkauft waren.

Aber denjenigen, der wie ich die beiden Vorgänger so großartig fand, wundert es doch ein wenig.
Wieso eifert Wilson auf einmal den Heroen des Genres dermaßen nach? Wieso klingt die CD so glattgebügelt?

Damit will ich nicht sagen, das diese Scheibe schlecht sei. Nein, sie ist toll!
Aber… sie ist eben auch nicht mehr so innovativ, ist kein Wagnis oder so, sondern sehr solide. Prog-solide wohlgemerkt und – klar – da hätte man nicht unbedingt gedacht, dass sowas auf Platz 3 der deutschen Charts kommen könnte.

Es beginnt mit „Luminol“ – bereits bekannt von der DVD oder letzten Tour: ein grandioser Song, bei dem sich sofort zeigt, dass es ein Vorteil ist, wenn die Liveband eingespielt ins Studio geht. Dieses Stück bildet noch ein bisschen das Bindeglied zur vorherigen Platte Wilsons.
„Drive home“ ist etwas ruhiger, bietet ausufernde Gitarrensoli und ein zärtliches Klavier. Das klingt wie Porcupine Tree in glatter und gefällt mir immer noch, war live aber irgendwie besser.
„The holy drinker“ ist auch ein Song, der mit der Energie der Performance gewonnen hatte und hier in der Studioversion etwas schräg angehaucht und gut, aber nicht überragend rüberkommt. Hier fällt auch auf, dass die gruselige Stimmung, die vom Artwork und den Texten der Songs nahegelegt wird, musikalisch meistens nicht unterstützt wird.
„The pin drop“ ist mit fünf Minuten das kürzeste Lied der CD und kommt mir ein bisschen wie ein Lückenfüller vor. Ja, es ist nicht schlecht, aber im Reigen mit den monumentalen Songs ringsum irritiert es etwas. Wäre vielleicht besser auf einer „normalen“ Porcupine Tree-Platte aufgehoben.
Beim „Watchmaker“ ist zwar auch eine Prise Pop im Spiel und der Song erinnert stark an alten Prog, trotzdem finde ich, dass hier mehr Energie und mehr Feeling drin stecken als in einigen der anderen Songs. Das könnte auch am Klavier liegen. Auf jeden Fall kann ich mich in die Atmosphäre der Geschichte einfühlen und mag die Instrumentierung, auch wenn sie nicht außergewöhnlich ist.
Den Titelsong am Ende, zu dem es auch ein Video gibt, mag ich zwar und kann ihm bescheinigen, dass er sehr atmosphärisch ist, dennoch passiert mir hier für acht Minuten etwas zu wenig.

Fazit:
Einerseits eine hervorragende Scheibe, die aber auch weniger Überraschungen birgt als die anderen beiden Soloplatten. Ich frage mich, warum Porcupine Tree – die sich mit Härte ein wenig an den Massengeschmack anbiederten – diese Platte nicht gemacht haben, weil ich von Steven Wilson solo etwas mehr wilde Experimentierfreude erwartet hatte.

Anspieltipps:
„Luminol“, „The watchmaker“

Klingt wie:
King Crimson, Yes und Porcupine Tree vermischt

Fakten:
Erscheinungsjahr: 2013
Spieldauer: 54:42min

Stay alive and rock on
Harvey

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One thought on “Steven Wilson: The raven that refused to sing

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