Mein erstes Mixtape

Mixtape

Das ist es: das „Original“! Zum Vergrößern bitte klicken.

Mit 9 Jahren bekam ich einen Radiorekorder zu Weihnachten.
Ab da nahm ich mir selbst Kassetten mit den aktuellen Hits auf. Aber das zähle ich noch nicht als echte Mixtapes, denn diese Kassetten wurden ständig neu überspielt und waren nie fertig. (Mal ganz abgesehen von den oft unvollständig aufgenommenen Songs.)

Mein erstes richtiges Mixtape ist links abgebildet und stammt aus dem Jahr 1991.
Es ist ein „Metal-Mix“ und ein Jahr zu spät dran. Das bedeutet, dass das Tape eigentlich die Musik enthält, die ich 1990 gut fand. Irgendwie kriegte ich solche Mixes immer nur mit Verspätung hin.
Und es ging hier nicht um aktuelle Songs. Denn auf diesem Tape kommt natürlich nichts mehr direkt aus dem Radio und bevor ich selbst Geld verdiente, hatte ich meistens nur ein, zwei LPs oder CDs, die man als einigermaßen aktuell bezeichnen könnte.
Auf dem Tape sind folgende Bands/Interpreten: AC-DC, Axxis, Bon Jovi, Crossroads (einziger Song von 1991), Bruce Dickinson, Dio, Fate, Gamma Ray, Helloween, Loudness, Running Wild, Savatage, Scorpions, Skagarack, Vamp, Victory, Warlock.
(Sechs der Songs sind 1990 erschienen. Ältestes Stück ist „TNT“ von 1976.)

Dieses Mixtape habe ich nur für mich erstellt und (ich glaube) nie mit anderen Leuten zusammen gehört.
Danach machte ich jedes Jahr ein bis vier Tapes für mich und auch ein paar für andere Menschen. Letztere besitze ich natürlich nicht mehr (habe mir auch keine Kopie gemacht) und hab‘ auch keine Ahnung, wie viele das wohl waren und was da drauf war. Erstere habe ich noch alle.
Die nächsten Mixtapes wurden vor allem aus zwei Motivationen erstellt: um Musik im Auto zu haben und um bei Parties und wenn Besuch da war eine Zusammenstellung guter Songs zu haben.
Da ich während meiner ganzen Tape-Komplilateurs-Karriere kein eigenes Auto hatte, kamen die Tapes dort nur selten zum Einsatz. Zum Beispiel wenn ich am Wochenende Fahren musste, weil wir „mit die Clique“ in eine Disko wollten.
Die Tapes hingegen, die sich besonders gut für Parties eigneten, wurden jahrelang andauernd gehört und sind inzwischen deutlich abgenutzt.

Erst als Student lernte ich von einem Kumpel, dass ein Mixtape unbedingt ein selbstgemachtes Cover braucht!
Ich stattete also alle meine Tapes mit einem solchen aus, auch die älteren bekamen nachträglich noch eins. Ein paar nette Exemplare sind hier zu sehen:

Cover_Mixtapes

vlnr: „Indie Mix-lechz“ (1994/95); „Summermix“ (1995), „Punk Mix“ (1993)

Als Covermotiv waren bei mir besonders Monster und Frauen beliebt.
Anlass zur Erstellung eines eigenes Mixes war und ist oft der Sommer bzw. der Urlaub. Ich bestehe dann darauf, dass der Mix im Urlaub unentwegt gehört wird. Je nach Mix und Begleitern findet das nicht immer Anklang!
Später habe ich mir aber auch öfter Bandmixe erstellt, also Best-ofs von nur einem Interpreten.

Inzwischen mache ich außerdem am Anfang von jedem Jahr einen Rückblicksmix auf das vergangene Jahr. Da sind dann zum Beispiel die Songs und Bands drauf, die ich bei den Jahresendlisten erwähnt habe.

Aber ich greife vor, denn heute sind meine Mixe auf CD und hier geht es ja um Tapes!
Mein letztes „richtiges“ Mixtape habe ich 1998 (wieder für den Urlaub/Sommer) aufgenommen. Danach hatte ich einen CD-Brenner und es gab nur noch Mix-CDs. Mit einer Ausnahme: für das Bizarre-Festival 2001 habe ich nochmal (aus Nostalgie sozusagen) einen Tapesampler gemacht.

Leider ist es mit CDs nicht das Gleiche. Meine alten Mixtapes habe ich sowas von oft gehört, da werden schon beim Anblick Erinnerungen wach.
Das schaffen nur wenige Mix-CDs. Es liegt aber natürlich kaum am Medium CD, sondern eher daran, dass ich heute häufiger neue Musik habe und mir einzelne Songs meist weniger bedeuten als früher.
Und so ein Ih-Gehäuse oder ein Rechner kann eben auch Mixe abspielen oder einfach durch alles shuffeln. Das ging ja früher gar nicht. Da wurde die Schallplatte oder CD aufgelegt und dann bis zum Ende gehört. Oder eben vorher ausgetauscht.
Singles hatte ich nie besonders viele und sowieso: ich hab‘ zwar bei Parties immer gerne den DJ gemacht, aber nicht den ganzen Abend. Und wenn man sich nur mit drei bis sechs Kumpels trifft, dann will man auch nicht andauernd aufstehen. Selbst wann man zehnminütige Prog-Songs hört…

Ich selbst habe von anderen Leuten nur selten Mixtapes erhalten. Ganze drei Stück liegen hier, eins hab ich leider in jugendlicher Verblendung mal überspielt (scheiße, ich komme in die Kompilateurshölle!).

Als ich vor ein paar Tagen diese alten Kassetten zufällig mal wieder ansah, hatte ich die Idee, aus jedem Tape eine Playlist für den Rechner zu machen. Da ich kein Tapedeck mehr habe, kann ich nämlich die Mixe nicht mehr hören. Und – wie gesagt – es stecken ja Erinnerungen drin.
Fast alle Songs hatte ich auch tatsächlich digital vorliegen und jetzt höre ich mich durch die Playlists und freue mich dabei!

Aber… es ist nicht mehr wie früher, heul! Die manchmal etwas unterschiedlich langen Pausen zwischen den Songs, das handgemachte Ein- und Ausfaden und der etwas dumpfe Klang, all das haben meine digitalen Mixtapes nicht zu bieten.

radiorekorder

Bild aus dem Netz – genauer weiß ich’s nicht mehr

Der Kreis schließ sich also nicht, denn die Radiotapes mit meinem damaligen Universum-Radiorekorder (siehe links), die waren sogar Mono!
„Das ist doch Unsinn, zwei Lautsprecher so dicht nebeneinander.“ (O-Ton Muttern)
Ins Stereozeitalter gelangte ich erst mit meiner Konfirmation, bei der mein Glauben an Gott mit einer schicken (aber billigen) Schneider-Anlage mit tollen 30 Watt Ein-Wege-Boxen belohnt wurde. Erst noch ohne CD-Player, aber dafür mit Doppeltapedeck! Ab da wären also selbstgemachte Mixtapes möglich gewesen. Zunächst hatte ich da aber wohl keine Verwendung für.
Der Walkman begann zwar gerade, sich zu verbreiten, aber ich hatte keinen. Ja, Kinders, stellt euch das mal vor: außerhalb des Hauses gab es keine Musik im Ohr! Und im Auto hatten wir zu dieser Zeit auch nur ein Radio – ohne Kassettenteil.
Vielleicht auch deswegen hab‘ ich dann erst lieber Hörspiele aufgenommen.

Über die „Wissenschaft“ des Mixtape-Aufnehmens ist schon genug geschrieben worden, da sag‘ ich jetzt nichts dazu, außer: auch dieser Aspekt hat mir viel Spaß gemacht!
(Wer gar nichts darüber weiß, lese mal „High fidelity“ von Nick Hornby. Achtung: wirklich das Buch lesen! Der Film ist zwar gut, aber gerade diese Sache kommt da deutlich kürzer als im Buch.)

Stay alive and rock on
Harvey

Advertisements

One thought on “Mein erstes Mixtape

  1. Pingback: Kassetten (MCs) | Hitlist

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s