eels: Wonderful, glorious

Eels_-_Wonderful,_Glorious
Wenn man so will, ist „Wonderful, glorious“ das erste eels-Album, das von einer Band kommt.

Denn obwohl die eels seit 1996 unter diesem Namen Platten veröffentlichen, ist es doch nur E bzw. Mark Oliver Everett, der hier etwas veröffentlicht. E erledigt nicht nur den überwiegenden Teil der Songschreiberei, der Produktion und spielt diverse Instrumente ein, er bestimmt auch die Geschicke der „Band“.

Kooperationen gab es, so war anfangs Drummer Butch sein ständiger Begleiter (aber selten Songwritingpartner) und erwähnen könnte man auch noch Jim Jacobsen, Michael Simpson und Jim Lang, die bei den ersten Platten öfter mal Credits für die Songs bekamen.
„Souljacker“ entstand größtenteils mit John Parish zusammen und seit dieser Scheibe (2001) ist auch Koool G. Murder mit an Bord, der wesentlich zu „Hombre lobo“ (2009) beigetragen hatte.
Aber gerade die letzten beiden Platten – „End times“ und „Tomorrow morning“ – waren ganz alleine E’s Feder entsprungen. Und sie waren ein wenig überraschungsarm, manche Songs hatte man ganz ähnlich schon zuvor gehört und die Produktion hatte weder Ecken, noch Kanten und auch keine Innovationen zu bieten.

Vielleicht hat Everett das erkannt und nun folgerichtig seine neuste Veröffentlichung zum ersten Mal weitgehend mit einer Band zusammen komponiert und diese natürlich auch bei der Aufnahme mitwirken lassen.
Und prompt klingt „Wonderful, glorious“, als wäre es vor zehn oder gar 15 Jahren entstanden.

Die letzte Bemerkung bezieht sich zunächst auf die Produktion und den Sound der Aufnahme, der luftig, rotzig, klar und durchdacht klingt. Hier und da wurde technische Effekte und Sounds eingebaut, die ein wenig an „Beautiful freak“ erinnern, das nicht zuletzt auf diesem Gebiet mit Ideenreichtum punkten konnte.

Zudem gibt es mehr Abwechslung. Ja, man erinnere sich, ursprünglich waren eels-Platten ein Garant dafür, zwischen knarzigem Pop, groben Indie-Gitarren und Kaffeehausanklängen hin und her zu springen. Auch die Stimmung musste nicht immer depressiv sein: zumindest die Musik selbst klangen oft sehr positiv (wenn auch die Lyrics nur sehr selten).

Schon beim Einstieg „Bombs away“ gefällt mir sofort die sehr verfremdete Gitarre im Hintergrund, der coole Bass und die verzerrten Vocals. Dazu kommen schräge Chöre, quasi-Vinyl-Knistern, ein bisschen White noise (weiß nicht, ob wirklich white) und ein, gerade zum Beginn der CD, sehr passender Text.

Den zweiten Song „Kinda fuzzy“ würde ich als eher durchschnittlich einstufen. Von den Instrumenten her ist er etwas reichhaltiger und interessanter als einiges auf den letzten drei Alben, aber insgesamt ist dies ein schwächeres Lied der Scheibe.

Das Lied, das man zunächst als Teaser auf der Website streamen konnte und das mit einem selbstironisch-fröhlichen Video über Frühlingsgefühle ausgestattet wurde (worum es auch textlich geht) ist eines meiner Lieblingsstücke: „Peach blossom“. Zum einen ist es von der Struktur her ungewöhnlich aufgebaut und lässt dabei die Stimmungen hin und her zappeln, so nach dem Motto: nee, so ein schöner Frühling, so ein tolles Leben, das kann gar nicht sein.
Zum anderen ist auch hier einiges an Produktionsfinesse und abgefahrenen Sounds eingeflossen und zusätzlich gefällt das gute Schlagzeug.
Und ich schmeiß‘ mich immer nur weg, wenn ihn die Blumen aufzählen höre!

Das relativiert sich gleich mit dem musikalisch eher traurig klingenden „On the ropes“, das dennoch in den Lyrics Hoffnung zeigt. Vom Songwriting gibt’s hier keine Neuentdeckung des eels-Songs, aber das Lied transportiert ganz gut die Stimmung und unterstreicht den Text.

„New alphabet“ ist ein sehr typisches eels-Lied, das zugleich ganz nett rockt und mit seltsamen Sounds und durchdachter Instrumentierung aufwartet. Ein Highlight! So hätte ich mir einen Song als Nachfolger zu „Beautiful freak“ vorgestellt. Tatsächlich gab’s dann mit „Electro-shock blues“ eher weniger Rock und statt einer leicht ausgelassenen, spielerischen Atmosphäre eine eher abgedrehte und zugleich niederdrückende. (Was ja den Themen der CD auch angemessen war.)

„True original“ ist das einzige Stück, das E alleine komponiert hat und es erinnert sehr stark an die vorherigen Platten. Nicht schlecht, auch inhaltlich interessant, aber ich hätte mir trotzdem an dieser Stelle der CD etwas gewünscht, das sich mehr am Rest der neuen Scheibe orientiert.

„You’re my friend“ klingt anfangs ungewöhnlich, bietet elektronische Effekte und ist trotzdem ein lupenreiner Popsong. Gut!

Der Titelsong kommt ganz am Schluss und ist ein ziemlich gewöhnlicher Rocksong mit extraschwülstigem Text und Chor. Das kann ich nur als Ironie deuten. Gefällt mir, aber keins der Highlights der CD.

Eine Anmerkung noch zur „Deluxe edition“: diesmal gibt es nicht nur vier neue Bonussongs (wie bei einigen der Vorgängerplatten auch) sondern dazu auch noch acht Livetracks. Da kann und sollte man nicht meckern, sondern zugreifen! (Auch wenn die vier Boni mit dem größten Teil der eigentlichen Platte nicht mithalten können).

Fazit:
Gute Platte. Frischzellenkur für die eels, viele Ideen, gute Songs, gute Mischung, wenige Ausfälle!

Anspieltipps:
„Bombs away“, „New alphabet“

Klingt wie:
eine Mischung aus „Souljacker“ und „Daisies of the galaxy“

Fakten:
Erscheinungsjahr: 2012
Spieldauer: 01:30:31h (Special 2-CD edition)

Stay alive and rock on,
Harvey

 

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2 thoughts on “eels: Wonderful, glorious

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