Eloy Top10 Longplayer

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Eloy haben zwischen 1971 und 2009 17 Alben veröffentlicht, dazu einen Soundtrack und eine Live-Platte.
Auf dem Foto sieht man, dass ich zwei davon „nur“ als LP besitze. Beide mag ich nicht besonders, aber immerhin hat „Metromania“ ein supertolles Rodney Matthews-Cover und mein Exemplar von „Ra“ ist von Frank Bornemann handsigniert.
Ich besitze nicht: den Soundtrack zu „Codename: Wildgänse“ und „The tides return forever“. Bei „Ocean 2: the answer“ hat mir die Maxi zum Titelsong bereits gereicht und „Destination“ hatte ich mal, hab sie aber weggeben, weil ich sie so schlecht fand.

Jetzt aber zu den guten Platten!
Seit dem Konzert im letzten Jahr – welches wieder sehr gut war – wollte ich diese Hitlist machen. Hier also meine Top 10 der Eloy-Scheiben:

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1. Ocean (1977, 44:10min)
Das geniale Cover deutet es schon an: die Platte beschäftigt sich in vier langen Songs mit Mythen und Phantasien über Atlantis.

„Ocean“ lebt von ausgedehnten Keyboard- und Orgelpassagen, die im Wettstreit mit den Gitarrensoli stehen. Lange Instrumentalparts gibt es in jedem der Songs und das ist auch gut so, denn der Gesang ist wie immer nur mäßig, vor allem wegen der schlechten Aussprache der englischen Texte.
Es finden sich allerdings auch rockigere Abschnitte. Insgesamt ist die Platte gut durchdacht und sehr professionell aufgenommen. Mit dem Schwinden der Naivität der ersten Platten sind allerdings auch weniger Experimente verbunden: zwar sind die langen Songs abwechslungsreich und von den Instrumenten her sehr spannend arrangiert, aber eben auch nicht „progressiv“ im ursprünglichen Sinne des Wortes.

Neben Frank Bornemann (Sänger, Gitarrist, Kopf und einziges Dauermitglied der Gruppe) sind hier diejenigen Leute dabei, die ich mal als „klassisches“ Line-up bezeichnen möchte: Klaus-Peter Matziol (Bass), Detlev Schmidtchen (Orgel, Keyboards) und Jürgen Rosenthal (Drums).

Dass ich diese Leute dem „klassischen“ Line-up zuordne, hat auch damit zu tun, dass es Eloys erfolgreichste Phase war und dass „Ocean“ sich auch heute noch sehr gut anhört – eben wie ein Klassiker des ProgRock der 70er!

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2. Silent cries and mighty echoes (1979, 51:10min)
Die Spielzeit bezieht sich hier auf die Remaster-Version mit zwei (verzichtbaren) Bonustracks.

Man mag meine Hitlist vorhersehbar finden, denn mit „Silent cries and mighty echoes“ kommt auf dem zweiten Platz tatsächlich die Platte, die oft neben „Ocean“ als bestes Werk der Band genannt wird. Manchmal haben Rocklexika und -journalisten anscheinend doch Recht.

„Astral entrance“ startet als sphärische Pink Floyd-Kopie, so in etwa „Wish you were here“-Zeit und geht nach drei Minuten in einen groovenden, keyboardstrotzenden und mit Sprechgesang (a la Bahnhofsansager) unterlegten sehr eigenwilligen Song über wie ihn nur Eloy machen können. Hier kann man sehr deutlich den Bassisten (Matziol) und den Keyboarder (Schmidtchen) loben, die ziemlich loslegen. Lange Gitarrensolos, wie man sie 1979 schon gar nicht mehr machte, sind natürlich auch dabei. Das klingt (wie vieles von Eloy) etwas naiv aber dennoch gelungen und mit sehr eigenem Charme. Althippies oder auch mittelalte Späthippies, die einfach ihr eigenes Ding machen. Ein sehr geiler Einstieg in diese Platte.
Ach, wenn ich dann „The apocalypse“ – den zweiten Song – höre, dann weiss ich, dass die CD hier richtig platziert ist. Epische Gitarrensolos mit dicken Keyboardteppichen unterlegt, manchmal ungewöhnlichen Übergängen und wieder einem Gesang, bei dem die Ohren schlackern. Aber da habe ich mich ja längst dran gewöhnt.
Die letzten drei Songs sind etwas kompakter, halten sich aber trotzdem an die Mischung aus Meditationsmusik und 70er Rock.
Das ist dick aufgetragen und quillt manchmal vor Effekten über, aber man kann eben auch drin schwelgen und sich in die von verschiedensten Düften und Nebeln geschwängerte Luft enger 68er Studentenbutzen versetzt fühlen.
„De labore solis“ ist mir dann aber etwas zu öde und schnulli-mässig. Auch vom Text her sollte man die Ergüsse, die bei frisch Verliebten so rauskommen, vielleicht nicht unbedingt als Songs veröffentlichen.

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3. Inside (1973, 44:25min)
Auch hier sind zwei Songs als Bonustracks dabei, diesmal aber sehr wertig, weil von einer damals erschienenen Single.
„Inside“ klingt etwas anders als die restlichen Langspieler der Liste, weil die Produktion weniger bombastisch ist und die Aufnahmequalität noch relativ schlecht.
Während für Eloy bis 1981 normalerweise gilt, dass Pink Floyd und Genesis (ca. 1975-77) die Orientierungspunkte sind, erkenne ich bei „Inside“ auch deutliche Einflüsse von Deep Purple und möglicherweise auch der proggigen Phase von Manfred Mann’s Earthband. Das liegt an dem ausufernden Orgelspiel und den phasenweise harten und verzerrten Gitarren.

Das Album beginnt mit dem längsten Eloy-Song überhaupt: „Land of no body“ braucht über 17 Minuten und die lohnen sich. Weniger konstruiert als später und dafür mit einem leichten Improvisationscharakter ist es eindeutig DER Song der Platte und das Highlight der Frühphase. Die beiden Bonustracks sind genau das Gegenteil: zwar keine Popsongs aber auf Dreiminutenformat runtergekocht und damit ohne viele der Ingredenzien, die Eloy eigentlich ausmachen. Auch hier ist der Vergleich zur Earthband vielleicht gar nicht verkehrt, die auf ihren ersten Aufnahmen auch viele kurze Stücke dabei hatte.

Wenn man „Inside“ – Eloys zweite Studioarbeit – mit dem Vorgänger „Eloy“ vergleicht, dann ist ein wahrer Quantensprung zu verzeichnen. Wo die Songs vorher orientierungslos und wenig mitreißend wirkten, merkt man, dass jetzt eine echte Band mit einer Vision am Werk ist.

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4. Power and the passion (1975, 49:11min)
Hier ist ein Bonustrack auf der Remaster-Version, bei dem es sich aber lediglich um einen Remix handelt.

„Power and the passion“ ist der erste Teil einer Geschichte, die mit „Dawn“ ihre Fortsetzung findet. Seltsamerweise tauschte Bornemann zwischen den Platten seine komplette Band aus und meiner Ansicht nach merkt man „Dawn“ ein bisschen an, dass die Leute noch nicht so richtig eingespielt waren.
Inhaltlich geht es um eine Zeitreise ins Mittelalter. Die Texte sind sehr „cheesy“ und die Story hat auch weder tiefe Einsichten noch überraschende Wendungen zu bieten.

Direkt im ersten Song „Journey into 1358“ hört man sehr deutlich, dass wir es mit einem „alten“ Eloy-Album zu tun haben. Im Gegensatz zu den Erfolgsscheiben „Ocean“ und „Silent cries and mighty echoes“ sind hier kaum Sphärenklänge und stattdessen ein ziemlich schnelles, hartes Schlagzeug und wilde Orgelsolos zu hören. Die Gitarre, die später viel öfter Solos spielte, ist hier meistens eher sparsam und songdienlich eingesetzt. Obwohl bei „Power and the passion“ zum ersten Mal zwei Gitarristen dabei waren.
Bei einigen anderen Songs ist der Gitarrenanteil höher und manchmal sind auch die Keyboards flächiger. Aber das treibende Schlagzeug bleibt und die Aufnahme ist auch wenig pompös sondern eher roh und kantig.
Ich finde das gut, hier konnte man noch rocken zu Eloy. Der Unterschied zu später wird auch ganz gut deutlich, wenn man sich die Studioversion von „Mutiny“ (hier) und die Liveversion (später, auf „Live“) im Vergleich anhört. Die Merkmale des späteren Sounds sind schon da, aber sie werden hier anders umgesetzt. Möglicherweise sind da auch die Vorbilder maßgeblich, 1975 immer noch eher Deep Purple und später dann mehr Pink Floyd.
Die Platte klingt aus mit dem ruhigen „The bells of notre dame“, das von der Gitarre her teilweise bluesig daher kommt und in Hinblick auf die Keyboards noch mehr als an anderen Stellen den Weg in die Zukunft weist.

Insgesamt ein schönes, atmosphärisches Stück Musik, das mit ineinander übergehenden Songs arbeitet.

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5. Colours (1980, 47:23min)
Mit dabei zwei Bonussongs von Singles der Zeit.

„Colours“ ist das letzte Eloy-Album, dass noch deutlich im Prog verwurzelt ist. Danach wurde es in gleichem Maße poppiger und auch hardrockiger. Das ist anfangs noch okay (siehe unten), wurde aber später unerträglich. Da waren dann wohl die kreativen Reservoirs erschöpft und auch der Drang, mal Geld zu verdienen hat bestimmt eine Rolle gespielt. Vielleicht auch die Zusammenstellung der Musiker, denn gegenüber „Silent cries and mighty echoes“ sind zwei Stammspieler weg und drei neue Leute dabei.

Auf dieser Scheibe kommt kein Song auf mehr als sieben Minuten Spielzeit. Trotzdem sind die Arrangements aufwändig und Keyboards und Gitarren solieren gelegentlich sehr schön. Der knackige Bass gefällt mir auch gut und einige Songs haben auch ordentlich Power, da wurden dann die sphärischeren Klänge zuvor doch schon durch etwas Hardrock ersetzt, was hier aber passt.
Meine Lieblingssongs sind „Illumination“, „Child migration“ und „Silhouette“.

Eloy - Dawn - Front
6. Dawn (1976, 47:51min)
Wie gesagt, das hier ist die Fortsetzung zu „Power and the passion“, eingespielt von einer noch nicht ganz eingespielten Truppe. Inhaltlich bleibt die Story ziemlich banal, musikalisch ist der Versuch zu epischeren Songs der Pink Floyd-Prägung zu kommen, bemerkbar.
Zwar haben alle Stücke nur relativ kurze Spielzeiten, aber vieles geht ineinander über und ich fasse die Platte auch als Gesamtwerk auf und würde eher davon abraten, einzelne Lieder rauszupicken.
Nicht gelungen ist aber eindeutig das Plattencover: ich dachte jahrelang, das wäre billige New Age-Musik.

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7. Planets (1981, 42:05min)
Diese Platte hatte ich lange Zeit als uninteressant abgetan, nur um irgendwann festzustellen, dass sich doch mindestens die Hälfte der Songs als Ohrwürmer bei mir festgesetzt hat (natürlich nicht solche Ohrwürmer, die man morgens unter der Dusche summt; sondern solche, bei denen man sich immer freut, wenn man sie wieder hört).

Es gilt im Grunde das bei „Colours“ Gesagte: der Übergang zu kürzeren Songs, zu etwas mehr Pop und Hardrock ist erkennbar, aber noch nicht vollzogen. Die Keyboards klingen hier schon etwas nach 80ern und die Gitarre bemüht sich über weite Strecken, eher nicht aufzufallen. Dabei geht der Musik vielleicht etwas an Tiefe und Atmosphäre verloren, aber trotzdem ist das noch recht proggig und interessant. Vor allem sind hier auch die Songs und Arrangements einfach gut. Die Lyrics sind allerdings besonders schwurbelig: wenn man nur die Titel der Songs nimmt, lassen sich schon direkt die etwas zweifelhaften Begriffe „light“, „mysterious“, „queen“, „gates“ und „cosmic“ ausmachen…

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8. Live (1978, 1:18:48h)
Eloys einzige Liveplatte deckt erfreulicherweise die beste Periode der Band ab. Ich nehme sie hier dazu, weil ich sonst Schwierigkeiten gehabt hätte, zehn Plätze zu füllen. Außerdem ist sie auch sehr gut.

Bis zum Rand voll ist die CD und die Versionen der Songs haben immer wieder leichte Unterschiede gegenüber der Studioversion zu bieten. Hören kann man außerdem, dass Eloy live eine Macht waren und man weder zwei Gitarristen noch zwei Keyboarder benötigt, um diese Songs (gut) zu spielen.
Der älteste vertretene Song ist „Inside“ (von „Inside“), dann gibt es „Mutiny“ von „Power and the passion“ und drei Songs von „Dawn“. Eingerahmt wird die Sache von gleich drei Liedern von „Ocean“, was 75% dieser Platte bedeutet (und hier vom zeitlichen Umfang her auch über die Hälfte).

Wenn man Eloy kennen lernen möchte, bietet sich neben den zahlreichen Compilations (zum Teil mit Rerecordings) auch diese Scheibe dafür an.

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9. Floating (1974, 57:09min)
Die Zeit bezieht sich wieder auf die neu gemasterte Version, die noch drei Livesongs in grottiger Qualität zu bieten hat.

Jahrelang hatte ich „Floating“ nur auf LP und fand sie nie so besonders gut. Als ich mir dann die CD kaufte, gefiel sie mir deutlich besser. Hier hat der Sound auf jeden Fall vom Remastering profitiert. Höhepunkte sind meiner Ansicht nach „Madhouse“ und das längste Stück, „The light from deep darkness“.
Komischerweise hört sich „Floating“ weder wie „Inside“ noch wie „Power and the passion“ an. Der Rock wurde etwas zurück gefahren, aber es sind keine bombastischen, symphonischen Elemente an seine Stelle getreten. Die Sache wirkt daher ein bisschen wie ein Schnellschuss. Aber – wie gesagt – es ist insgesamt trotzdem eine ganz nette Angelegenheit, die den Freund von Eloys Frühphase nicht enttäuschen wird.

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10. Time to turn (1982, 42:23min)
Auch wenn der Titel der Platte sich wohl eher auf den Umgang der Menschheit mit der Erde bezieht, passt er auch ganz gut zur Entwicklung der Band.
Denn nach „Time to turn“ wurde es gruselig. Vielleicht findet man auf den nachfolgenden Alben aus den 80ern mit offenen Ohren noch jeweils einen guten Song. Bei „Time to turn“ sind es mehr. Trotz manchmal etwas nervigem Keyboardsound und ein bisschen zu viel Bombast, sind noch mehrere gute Songs dabei. Meine Favoriten dabei sind „Through a somber galaxy“ und „End of an odyssey“ und damit habe ich mir natürlich auch die proggigsten Lieder rausgesucht.

Nicht in dieser Top10 vertreten waren: „Eloy“ (1971), „Performance“ (1983), „Metromania“ (1984), „Codename: Wildgeese“ (1985), „Ra“ (1988), „Destination“ (1992), „The tides return forever“ (1994), „Ocean 2: the answer“ (1998) und „Visionary“ (2009).

Stay alive and rock on
Harvey

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