Soundgarden: King animal

Soundgarden_KA_Album_cover
Als Soundgarden 1997 ihre Auflösung verkündeten, fügten sie an, dass das garantiert eine endgültige Sache sei – im Gegensatz zu den anderen Bands, die nach zwei, drei Jahren dann doch weiter machten.

Jetzt kann man sagen: 13 Jahre kommt schon nah an endgültig, sie haben nicht gelogen.
Und vielleicht auch: hey, toll dass sie wieder da sind!
Ich kenne Soundgarden seit 1992 und in den Jahren 94-97 gehörten sie zu meinen liebsten Bands. Ich war also sehr gespannt auf „King animal“.

Auf dem Weg zu diesem Longplayer durfte man sich dann mit einer Best-of inkl. eines bisher nicht veröffentlichten Songs („Telephantasm“ bzw. „Black rain“, 2010) einer aus alten Resten neu zusammengesetzten Single  („The Telephantasm“, 2010), einem Live-Album mit alten Aufnahmen („Live on I-5“, 2011) und einem Soundtrack-Song („Live to rise“, Anfang 2012) erstmal einstimmen.
Ein langer Weg! Ich dachte schon, das wird nichts mehr mit dem neuen Album!
Vielleicht hat es auch nur so lange gedauert, weil Chris Cornells‘ Haare die Zeit brauchten, um wieder lang zu werden?
Dieser lange Weg war teilweise ein wenig steinig, denn nachdem die Best-of mir gut gefallen hatte (waren sogar ein paar B-Seiten drauf, die ich noch nicht hatte; und dann die tollen alten Videos auf der DVD!) und die Single wenigstens ganz nett war, enttäuschte mich die Live-CD doch deutlich. Obwohl mich das vielleicht nicht hätte wundern sollen, denn schon früher fand ich, dass Liveaufnahmen und Videomitschnitte von Soundgarden lange nicht an das Studio ran reichten. Vielleicht muss man dabei gewesen sein? War ich aber (leider) nie.

Das Cover von „King animal“ ist stimmungsvoll und ein bisschen gruselig / schamanistisch dazu, passt also ganz gut.  Allerdings sieht man – wie heutzutage so oft – sehr deutlich, dass dies Computerkunst ist (vermutlich bearbeitete echte Fotos) und das schmälert den Gesamteindruck etwas.

Soundgardens Trademarks waren immer Kim Thayils frickelig-flirrende Leadgitarre und die sehr basslastige Rhythmusgitarre. Dazu natürlich dann noch der einzigartige und unter die Haut gehende Gesang von Chris Cornell.
Und da kann man sofort feststellen: beides vorhanden auf der neuen Scheibe!

Aber… wenn ich genau hinhöre, finde ich, dass Chris Cornell nicht mehr ganz so gut singt wie früher. Leider! Zudem sind es die bereits bekannten Gesangsmelodien, die er immer und immer wiederholt. Vieles klingt (vom Gesang) auch ganz ähnlich wie bei Audioslave.

Kim Thayil und die anderen Musiker sind hörbar versiert an ihren Instrumenten und bemühen sich um Abwechslungsreichtum. Allerdings sind die Songs von „King animal“ einfach nicht der Reißer. Wenn man sich die besten drei oder vier rauspickt, dann ist alles gut. Aber auf der ganzen Länge des Albums gibt es doch zu viele mittelprächtige Stücke, die weder richtig losrocken, noch durch Innovation zu punkten vermögen.
Vielleicht liegt das am Mix, der etwas gleichförmig ist, möglicherweise ist es auch dieser ganze Kompressionsmumpitz, so dass die Variationen im Sound weniger hörbar sind. Auf jeden Fall finde ich, dass die Platte traurigerweise als Ganzes genau nach dem klingt, was sie auch ist: der Versuch alternder ex-Rockmusiker, an ihre glorreiche Zeit anzuknüpfen.

Fazit:
Der Platte fehlt über weite Strecken die Power und vielen Songs fehlt es auch an Ideen. Ja, alles klingt genau wie früher. Aber wer bereits die alten Soundgarden-Platten hat und kennt, der findet hier nichts, was dem noch hinzuzufügen gewesen wäre.

Anspieltipps:
„A thousand days before“, „Rowing“

Klingt wie:
Audioslave, Led Zeppelin, Chris Cornell solo (erste zwei CDs)

Fakten:
Erscheinungsjahr: 2012
Spieldauer: 1:02:59 h (deluxe edition)
(Auf die Demos, die hier noch zusätzlich dabei sind, kann man gut verzichten.)

Stay alive and rock on
Harvey

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