Daisy Chapman: Shameless winter + live 15.11.12

Daisy Chapman, Songwriterin aus Bristol mit einer Vorliebe für’s Klavier, meldet sich zurück.

2006 erstmals mit der EP „Hymns of blame“ an die Öffentlichkeit getreten, kann man die neue Scheibe als zweiten oder dritten Longplayer ansehen – je nachdem, ob die Mini-LP „And there shall be none“ von 2008 mitgezählt wird, oder nicht.

Zwischendurch war Daisy Chapman noch bei den Prog-/New Art-Rockern Crippled Black Phoenix tätig und nahm eine Platte mir Scarlatti Tilt auf.

Auf „Shameless winter“ bleibt sie zunächstmal sich selbst treu, indem sie Piano-basierte, ruhige Songs anbietet. Im Gegensatz zu „The green eyed“ klingt die Sache noch bodenständiger und weniger modern. Begleitinstrumente sind hier zwar öfter mal dabei, aber lediglich Geige und Cello können ernsthaft mit der restlichen Instrumentierung konkurrieren.

Jetzt kann man – wie auch schon bei den Veröffentlichungen zuvor – einwenden, dass es bereits genügend Frauen gibt, die Songwritermusik mit Solopiano machen und auch, dass die ganze Sache kaum radiotauglich und schon gar nicht tanzbar ist.

Trotzdem oder gerade deswegen gefällt mir auch diese CD von Daisy Chapman hervorragend!
Neben interessanten und sehr persönlichen Texten und einem ausgezeichneten Gesang haben alle Songs dieser CD eine sehr dichte Atmosphäre und einen Spannungsbogen. Hier wird nicht einfach „daher geklimpert“, sondern immer eine kleine Geschichte erzählt. (Und Geschichten mochte ich schon von Genesis aus den 70ern gerne.) Dazu die leicht klassisch angehauchte Instrumentierung – genau meins!
Ja, die Songs gehen – so man sich denn drauf einlässt – unter die Haut und deutlich ist zu merken, dass die Chapman hier ihr Herz mit reingepackt hat. Und der Gesang kann das rüberbringen, ja transportiert die Texte  mit viel Gefühl!

Manche Songs spielte sie schon während ihrer letzten Deutschland-Konzerte, und ich habe sie sofort wiedererkannt!
Mein Lieblingslied ist „The girl in Hannover“ über ihr erstes Konzert dort, bei dem gerade mal vier Zuschauer anwesend waren. Sehr intensiv auch „Shameless winter“, „The gentleman in 13B“ und „A sinner song“.
Eine Coverversion gibt es auch, nämlich „Disarm“ von den Smashing Pumpkins – natürlich genau gemacht für Piano und Geige. Insofern vielleicht nichts Besonderes, aber trotzdem gut.

Fazit:
Ein bisschen anders als der Vorgänger, aber keinesfalls schlechter. Wundervolle Platte zum Zuhören, für einsame Herzen und Klavier-Pop-Freunde.

Anspieltipps:
siehe oben

Klingt wie:
keine Ahnung (manche sagen Tori Amos, wobei ich die wiederum nicht gut kenne)

Fakten:
Erscheinungsjahr: 2012
Spieldauer: 52:55min

.

Und jetzt noch der Bonustext:

Daisy Chapman live 15.11.12, Hannover

Ursprünglich für die große Halle angekündigt, spielt Chapman dann doch in der Kneipe. Zwei Begleiter hat sie dabei, die für Geige und Perkussion zuständig sind. Zusätzlich nutzt sie natürlich auch wieder ihre Loopstation ausgiebig.

Vorgetragen werden viele Songs des neuen Albums – aber nicht „Girl in Hannover“ 😦 – und einige des letzten – aber leider nicht „Oh daddy“. Dazu noch ein Song von den EPs (möglicherweise auch zwei, bin nicht ganz sicher).
Vom Sound her ist das Klavier leider etwas zu leise und die zahlreichen Gäste im Club stören durch laute Gespräche und Verzehr von Mahlzeiten. Es macht auch den Eindruck, als seien nur erschreckende fünf bis zehn Personen wegen des Konzerts da und alle anderen eher per Zufall. Schade, zumal Daisy Chapman schon im Januar am selben Ort zu gefallen wusste.

Mit ausreichend Konzentration war das Konzert dann aber trotzdem sehr atmosphärisch und eindringlich.  Der Gesang überzeugte ohne Makel und die beiden zusätzlichen Instrumentalisten taten der Performance sehr gut. Zusätzlich machte Daisy Chapman wieder einen sympathischen und  engagierten Eindruck und das Publikum reagierte wohlwollend.

Ich kann also nur empfehlen, mal auf der Homepage oder bei Gesichtsbuch nachzusehen und einen der weiteren Auftritte zu besuchen. Es lohnt sich!

Stay alive and rock on,
Harvey

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One thought on “Daisy Chapman: Shameless winter + live 15.11.12

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