Mary Chapin Carpenter: Ashes and roses

Asche und Rosen. Das deutet schon ein bisschen in die Richtung dieses Albums: Mary Chapin Carpenter verarbeitet hier Krankheit, Tod und Scheidung.
Die Musik dazu ist akustischer und ruhiger als je zuvor. Kaum mag man dies noch als „Country“ und erst recht nicht als „Country-Rock“ bezeichnen. Wohl eher Songwriter-Pop.

Erschienen ist die Platte schon im Juni, allerdings habe ich das erst jetzt mitgekriegt. Von den 3-4 Musikmagazinen, die ich regelmäßig lese, hatte keines dazu etwas verlautbaren lassen. Das mag wohl daran liegen, dass Carpenter noch immer ganz fett der Stempel „Country“ anhaftet, was dann per se als nicht relevant angesehen wird. Ausgenommen natürlich, man macht New Country oder irgendwas Rebellisches.

Kennen gelernt habe ich Mary Chapin Carpenter durch eine Fernsehsendung über Frauen in der Countrymusik. Dort war sie mit ihrem – ironischen und daher eigentlich auch etwas rebellischen – Song „He thinks he’ll keep her“ zu sehen gewesen. Obwohl der Name nicht eingeblendet wurde, sondern nur gesagt, gelang es mir dann, den Song und die Interpretin ausfindig zu machen. Seitdem habe ich alle ihre CDs gekauft, von der Weihnachtsplatte mal abgesehen.
Inzwischen sind die kommerziell erfolgreichen Zeiten Carpenters lange vorbei. 1999 bekam sie zum letzten Mal eine goldene Schallplatte, immerhin platzieren sich ihre Alben weiterhin in den Top100 der US Charts.

„Ashes and roses“ klingt zunächst mal sehr typisch nach Mary Chapin Carpenter. Keine gravierenden Umbrüche zu verzeichnen. Leider heißt das auch, dass man alles schon einmal in ähnlicher Form gehört hat. Zwar hatten andere Platten nicht diese Dichte von ruhigen, sanften Songs zu bieten, jedoch sehe ich das eher als Nach- denn als Vorteil. Denn auf „Ashes and roses“ gibt es wenig Abwechslung, kaum Songs die mal zum Mitwippen einladen. Im Gegenzug bekommt man aber sehr persönliche – und wie immer gute – Lyrics, die sich unter anderem auch mit den oben genannten Themen befassen. Wer gerne genau hinhört und die Texte nachliest, kann tiefer in die Songs eindringen und erlebt auf diese Weise auch mehr Abwechslung.

Von der Instrumentierung her dominieren akustische Gitarre und Klavier das Geschehen, dazu mit Bürsten gespieltes Schlagzeug oder lediglich etwas Percussion. Selten ist die E-Gitarre deutlich hörbar.

Wenn man die Scheibe mit ihrem Vorgänger „The age of miracles“ vergleicht, so ist „Ashes and roses“ auf jeden Fall in sich geschlossener und emotionaler. An ruhige Songs von „The age of miracles“ schließt es nahtlos an. Allerdings fand ich auch diese CD etwas blutleer, „The calling“ war mehr mein Ding.

Schaue ich mir die Fotos im Booklet an, dann wirkt Mary Chapin Carpenter dort verletzlich und unsicher wie selten. So ganz durch scheint sie mit den Problemen noch nicht zu sein. Die Songs jedoch sind nicht depressiv, sondern kriegen immer die Kurve zum positiven Blick nach vorne, wie man das von ihr gewohnt ist.
Übrigens riecht mein Booklet nach Rosen. Ist das gewollt oder nur eine Chemikalie beim Druck, die zufällig so ähnlich „stinkt“? Ich weiß es nicht, aber trotzdem die erste CD mit Geruchsunterstützung.

Fazit:
Mir persönlich ist das Album etwas zu gleichförmig. Ich höre außerdem lieber 2-3 ganz ruhige Songs zwischen 10 etwas flotteren und nicht umgekehrt. Trotzdem eine gute Platte und es sind unzweifelhaft ein paar echte Perlen unter den Songs.  Wer die Entwicklung der vorherigen Scheiben besonders gut fand, findet hier vielleicht sogar deren  Höhepunkt.

Anspieltipps:
„Fading away“ (Text), „New years day“ (ruhig), „Chasing what’s already gone“ (typisch MCC), „I tried going west“ (etwas schwungvoller)

Klingt wie:
ein Mix aus: Mark Knopfler, Kathy Mattea, Neal Casal, Leonard Cohen

Fakten:
Erscheinungsjahr: 2012
Spieldauer: 58:18min

Stay alive and rock on,
Harvey

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