Ramones: Top10 Longplayer

Die Ramones haben zwischen 1976 und 1995 14 Studioalben veröffentlicht. Aus diesen wähle ich nun meine zehn liebsten aus.

Angemerkt sei noch, dass viele der CD inzwischen als Remaster-Edition mit Bonustracks vorliegen. Dazu am Ende noch ein paar Worte. Die besten Liveplatten der Ramones werde ich dann in einem anderen Artikel krönen.
Ach ja, nur damit da keine Zweifel aufkommen: solche Hitlisten erstelle ich natürlich nur fürs Bands, von denen ich auch alle Platten kenne!

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All-time Top10 Ramones-Scheiben

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1. Leave home (1977, 30:49)
Sich zwischen den ersten vier Ramones-Platten zu entscheiden, ist für mich sehr, sehr schwierig. Sie sind alle großartig!
Hier sind jede Menge Klassiker drauf, wie etwa „Gimme gimme shock treatment“, „Suzy is a headbanger“, „California sun“, usw.
Ein paar unerwartete Momente sind auch dabei, wenn’s bei „I remember you“ oder „Babysitter“ etwas ruhiger zugeht, romantisch schon fast. Punk Lovesongs: unschlagbar!

Für mich war natürlich früher auch ausschlaggebend, dass ich einige Liveplatten zuerst hatte und hier einen großen Teil der Songs in der Studioversion wieder fand. Und was live extrem gut war, ist im Studio nicht schlechter.
Übrigens auch die ideale Musik gegen schlechte Laune oder schlechtes Wetter. Wirf die Ramones (laut) rein und die Welt sieht schon etwas besser aus!

Der Sound bei dieser CD ist rau, aber auch nicht zu Lo-Fi. Im übrigen sind natürlich alle Ramones-Lieder Popsongs und das hört man auch. Vom Tempo her ist durchaus Abwechslung gegeben und – was ich auch immer gerne mag – man kann viele der Songs hervorragend mitgröhlen! Die Texte sind kurz und knapp, teilweise etwas cheesy, teilweise auch lustig. Ein Höhepunkt ist auf jeden Fall: „Ooo-whee, do it one more time for me! Can’t stop, stop that girl, there she goes angain. I really really love to watch her, watch her headbangin‘. Suzy is a headbanger…“ („Suzy is a headbanger“). Grandios, oder?
„Pinhead“ und „Commando“ sind auch super und „You should never have opened that door“ gewinnt noch ’nen Pokal für den irrsten Songtitel.

Von „Leave home“ gibt es mehrere Versionen, denn kurz nach der Veröffentlichung wurde „Carbona not glue“ von der Platte genommen und durch „Babysitter“ ersetzt. Manchmal wurde dann auch noch „Sheena is a punk rocker“ dazu gepackt, das inzwischen als separate Single erschienen war. „Sheena“ war dann allerdings auch auf dem nächsten Album „Rocket to russia“. Die Spielzeit oben bezieht sich auf die ursprüngliche Version. Eine Variante, die alle drei Songs entthält, gibt es meines Wissens nach nicht.

„Leave home“ ist erstmals 1996 auf CD erschienen, man glaubt es kaum!
Vorher (1990) gab es allerdings „All the stuff (and more) volume 1“, auf der man die beiden ersten Platten zusammen mit vier Bonustracks bekam.  Das war auch die Variante, die ich zunächst hatte. Ein bisschen spiegelt diese Veröffentlichungspolitik auch die Wertschätzung wieder, die die Ramones 1990 von Seiten der Plattenfirma und auch der Fans erfahren haben. Zwei der besten Punkscheiben aller Zeiten zum Preis von nur einer ist zwar super, aber man sollte die Originalalben für sich stehen lassen (eventuelle Bonustracks kann man ja wegprogrammieren) und auch die tollen Cover genießen.

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2. Ramones (1976, 29:04)
Was die Ramones hier als ihren Erstling anbieten, das gab es bis dahin nicht – zumindest nicht auf Albumlänge und in diesem speziellen Stil. Und genau dem Stil dieser ersten Platte sind sie im Prinzip während ihrer ganzen Existenz treu geblieben. Sie haben hier und da mal ein akustischeres Liedchen und mal ’nen Speedsong gemacht und ein bisschen in Punkto Aufnahmetechnik und Produktion draufgelegt, aber das war’s dann auch. Somit sind die Ramones eigentlich musikalisch sehr konservativ gewesen.

Jedoch, dass eine Band 14 Songs in 29 Minuten runterrattert, unter Verwendung von drei oder vier Akkorden und mit ironischen, kritischen und simplen Texten versehen, mit dumpfem Kellersound aufgenommen, das war eine Revolution, die den Radiohörer unweigerlich vor den Kopf stoßen musste. Deswegen wurden die Songs der Band auch zeitlebens so gut wie gar nicht im Radio gespielt.
Zusätzlich hat diese Platte ganze Heerscharen von jungen Menschen dazu gebracht, eine eigene Band zu gründen.
Auch wenn es heute und auch in der Zeit seit 1976 hunderte von Punkbands gibt und gab, sehe ich die Ramones als eine Sparte für sich innerhalb des Punkgenres an. So konsequent und langatmig hat niemand den eigenen Stil durchgezogen.
Was sich ja auch am Outfit zeigte, das ich noch immer für das „beste“ aller Outfits halte: Lederjacken und zerrissene Jeans.

Zur Musik: etwas mehr Bass im Mix als später, nette Melodien und Refrains und natürlich Hits, Hits, Hits. Jeder Song auf dieser ersten Platte ist ein Klassiker und jeder dieser Klassiker wurde auch in den Neunzigern nochmal oder auch ständig live gespielt.
Meine Lieblingssongs hier sind wahrscheinlich „Blitzkrieg bop“ und „I wanna be your boyfriend“.
„Blitzkrieg bop“ ist so etwas wie ein Theme-Song für mich, quasi die Intromusik zu der Serie „Ramones rocken“. Ein ehemaliger Kumpel von mir hatte mal ’ne Band, die sich wieder und wieder daran versucht hat, den Song so schnell wie möglich zu spielen. Schneller als die Ramones selber (in der Livefassung) haben sie es nie geschafft.
„I wanna be your boyfriend“ ist ein grandioses Liebeslied. Einfache Worte, einfache Punkmusik und dennoch kommt alles rüber. Man merkt, wie gut Joey darin war, etwas softer zu singen und wie schön Pop doch ist.

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3. Road to ruin (1978, 31:02)
Mit dieser Scheibe (ihrer vierten) haben sich die Jungs aus New York zum ersten Mal verändert. Nur ein ganz klein wenig natürlich, aber keine schlechte Idee, denn drei Platten mit derselben Mucke macht diese zwar nicht langweilig, aber vielleicht steht auch den Musikern mal der Sinn nach ein wenig Abwechslung.

Es beginnt mit „I just wanna have something to do“. Erstaunlich harte Gitarren und eine moderate Geschwindigkeit fallen auf. Ein spitzen Song, bei dem die Power nicht im Tempo gelandet ist, sondern in einem druckvollen Gesamtbild. Dazu gibt’s öfter mal eine zweite Gitarre im Hintergrund, sehr ungewöhnlich (für die Ramones).
„I wanted everything“ geht etwas mehr in die Richtung der ersten Platten. Strammer Beat, die typischen Akkorde, dazu allerdings ein sehr „metallischer“ Schlagzeug-Sound, der vielleicht auch (aber sicher nicht nur) mit dem neuen Drummer Marky in Verbindung steht. Gutes Lied.
„Don’t come close“ ist dann zum ersten Mal sehr anders als frühere Sachen. Eine Ballade, aber eine mit Akustikgitarre und zusätzlich ’ner Art Surf-Psychedelic-Gitarre. Und dabei merkt man sofort: Joeys Stimme passt hervorragend zu solcher Musik. Das rockt zwar nicht so, könnte sogar deiner Oma gefallen, aber ist so toll gemacht und trotzdem deutlich ein Ramones-Stück, dass ich es nur lieben kann!
„I don’t want you“ schlägt dann wieder in dieselbe Kerbe wie „I just wanna have something to do“: fette Gitarren, aggressiver Gesamteindruck aber dennoch eingängiger Refrain. Und wie immer gilt auch: die an Worten nicht sehr reichen Texte treffen doch sehr genau Stimmungen und Gefühlslagen, die (fast) jeder schonmal kennen gelernt hat.
Dann ein Klassiker: „Needles and pins“. Wie auf fast allen Ramones-Platten auch hier mal eine Coverversion und wieder eine sehr akustische. Aber die Art und Weise wie dieses Lied hier interpretiert wird, ist einfach nur genial! Da kommen dem Punk die Tränen.
„I’m against it“ räumt sofort auf mit Kuschelstimmung und fetzt gut los. Das muss ja auch bei dem Titel. Schnell und schrammelig klingt das nach einem sehr guten Livesong, den ich allerdings noch nie live gehört habe.
So, bevor ich jetzt die anderen 6 Songs auch noch plattlaber, picke ich mir nur noch zwei besondere raus. Der Rest passt mehr oder weniger in das bisher gezeigte Bild der CD.
„I wanna be sedated“ ist auch eine Art Klassiker und ich hätte diesen Song vom Erscheinungsjahr her deutlich später eingeordnet, wenn ich nur nach der Musik gehen würde. Sehr kompakt produziert mit einem Popfeeling, wie man es von den 80ern kennt. Natürlich ohne dass hier Keyboards im Vordergrund stünden oder so. Dazu ein Song, der ein aufpolierter Sechzigerhit sein könnte. Aber da liegen wir ja auch genau richtig: Rock’n’roll fanden die Ramones immer gut.
„Questioningly“ ist vielleicht der ungewöhnlichste Ramones-Song überhaupt: wieder eine zuckersüße Ballade und Joey singt absolut erstklassig! Dazu gibt’s Akustik- und Leadgitarre, wobei letztere extrem auf Surf gestimmt ist, manchmal aber fast genauso nach Country klingt. Ich liebe dieses Lied!

Gerade weil diese Platte so anders ist als ihre Vorgänger (aber auch die Nachfolger), ist sie ein besonderer Höhepunkt im Schaffen der Ramones. Akustische Lieder will man zwar von ihnen nicht unbedingt live sehen, aber wie sie hier dargeboten werden ist schon unschlagbar. Trotzdem natürlich eine Punkrock-Platte.

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4. Rocket to russia (1977, 31:46)
Wenn man schaut, welche Songs hier drauf sind, ist es kaum zu fassen, dass die Platte nur auf dem 4. Platz liegt: „Cretin hop“, „Rockaway beach“, „Sheena is a punk rocker“, „We’re a happy family“, „Teenage lobotomy“, „Do you wanna dance?“, „Surfin bird“…
Vielleicht die höchste Hitdichte von allen Ramones-Veröffentlichungen.
„Rockaway beach“ ist der songgewordene Traum jedes Punkrockers: Sommer, Strand, schnittige Mädels und dazu noch gute Musik! Super Laune, Partystimmung, das assoziiere ich damit. Zwar später nicht so ein Dauerbrenner im Set der Band, aber auf „It’s alive“ und der „Mania“-Compilation ein Riesenhit.
Zwei schöne Balladen sind auch mit von der Partie: „Locket love“ und „Ramona“.
Auf dieser Platte sind dann auch die letzten der Songs dabei, welche die Ramones bereits vor ihrer ersten Platte im Set hatten. In den ersten Jahren nach Bandbestehen haben die anscheinend super Punksongs gleich im Dutzend geschrieben. Ob es noch welche gab, die dann nie aufgenommen wurden, ist mir allerdidngs nicht bekannt. Im Buch von Monte Melnick („On the road with the Ramones“) wird behauptet, in ihren ganz frühen Tagen hätten die Vier bei Konzerten in 20 Minuten 30 Songs gespielt. Das erscheint mir allerdings etwas unrealistisch. Klar, die Lieder sind kurz, aber nicht so kurz. Selbst wenn man annimmt, anfangs hätten  die Ramones besonders schnell gespielt (was zumindest akustisch nirgends belegt ist) und vielleicht auch mal einen Refrain weggelassen hätten, dann kann ich trotzdem nicht an 30 Songs á 40 Sekunden glauben. Gerade noch vorstellbar wäre für mich, dass hier jemand die Zahlen verwechselt hat und 20 Songs in 30 Minuten meinte.

Warum habe ich jetzt die anderen drei Platten dieser hier vorgezogen? Einzig aufgrund eines unbestimmten Gefühls, dass „Rocket to russia“ eine nicht ganz so runde Sache ist. Ganz klar ein Übergangswerk und ein bisschen zu glatt produziert. Auch das Cover sieht zwar gut aus, ist aber eigentlich ’ne direkte Kopie des Covers der ersten LP.
Trotzdem eine supergeile Scheibe!

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5. Mondo bizarro (1992, 37:25)
In meinem Jahrgang auf der Schule gab es einen Typen, der sich die Haare lang wachsen ließ, nur schwarze Kleidung trug und dazu ständig im Aufenthaltsraum Musik einlegte, die niemand leiden konnte. Ich auch nicht – klare Sache.
Doch eines wundervollen Tages schallten in voller Lautstärke melodische Schrammelgitarren mit einer sofort erkennbaren Spezialisierung auf kurze Lieder aus den Boxen und ich fand es faszinierend! Es waren die RAMONES!

Weil ich experimentierfreudig war und mehr „harte Mucke“ kennen lernen wollte, trug ich einem Freund, der in die nächstgelegene Einkaufsstadt fuhr, auf mir „irgendeine“ CD der Ramones mitzubrigen. Ich bekam „Brain drain“ geliefert (damals gerade aktuell), war begeistert und hörte sie Tag und Nacht. Dann lernte ich auch noch den „wilden“ Mitschüler kennen und seine abgefahrenen Freunde, nette Mädels die auch auf die Ramones standen usw….
Klar, dass ich mehr haben wollte. Nicht viel später kam dann „Mondo bizarro“ raus und ich lief inzwischen mir zerrissenen Jeans und Lederjacke rum. So kann’s gehen!

„Mondo bizarro“ war also die erste Ramones-Platte, deren Veröffentlichung ich entgegen fieberte. Sie gefiel mir direkt noch besser als „Brain drain“ und ich habe sie bis heute vermutlich von allen Ramones-CDs am häufigsten gehört. Zusätzlich zur Nostalgie muss ich auch mit etwas Abstand sagen, dass es sich wirklich um einen Höhepunkt der Spätphase handelt.
Von den 13 Songs sind „I won’t let it happen“, „Cabbies on crack“ und „Heidi is a headcase“ die schwächsten. Zwar typische Ramones-Kost und auch nicht tatsächlich schlecht, aber auch nicht richtig mitreißend. Der ganze Rest ist dafür umso besser!
Er hat sehr geile ruhigere Moment („Poison heart“, „Strength to endure“), eine gute Coverversion („Take it as it comes“ von den Doors) und ein paar echt fetzige, schnelle Stücke natürlich auch („Anxiety“, „Touring“). Alles typisch Ramones, aber vom Sound gegenüber „Brain drain“ gereifter und klarer. Vielleicht könnte man auch sagen: moderner.
Nesthäkchen C.J. darf bei zwei Songs singen und macht das sehr gut. Überhaupt ist er wohl mit dafür verantwortlich, dass die Band mit mehr Schwung und Spielfreude zu Werke geht. Immerhin war er der Jüngste, einer für den das alles ganz neu war. Und dass er dabei ständig auf Hochtouren lief und sich voll reinhängte, lässt sich leicht vorstellen.
Auch Dee Dee, sein Vorgänger am Bass und Mitaushängeschild der Band, war bei „Mondo bizarro“ noch mit dabei. Zwar nicht als Musiker, aber als Songschreiber. Johnny hatte ihn wohl dazu mit dem Argument, er könnte die Tantiemen bestimmt gebrauchen, überredet. Und so wurden drei Songs von Dee Dee (mit-) geschrieben. Und natürlich sind das sogar mit die besten Stücke der CD!

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6. Brain drain (1989, 35:02)
Zu dieser Scheibe hab‘ ich ja eben bei „Mondo bizarro“ schon etwas gesagt. Für mich hat sie einen hohen Erinnerungswert, objektiv betrachtet ist sie wohl eher nicht so gut. Aber für das gesamte Werk der Ramones in den 80er gilt: keine schlechten Platten dabei, aber nicht nur supertolle Songs drauf.

Ich finde den Sound der Platte irgendwie komisch. Der hat so eine Art Raumvolumen, das absolut nicht zu den Ramones passt. Und ich wette, dafür ist Producer Bill Laswell verantwortlich, der ja auch komischen Pop-Kram gemacht hat.
Einige Songs kommen auch nicht richtig auf den Punkt bzw. sind eher langweilig. Beispiele: „Learn to listen“ und „All screwed up“.
Dafür wiederum sind „Zero Zero UFO“ und „Can’t get you outta my mind“ besonders gelungen (schneller Punksong bzw. Ballade).
Die Songs wurden in etwa zur Hälfte von Dee Dee und Joey geschrieben. Diese beiden waren sicher auch die interessantesten Typen unter den Ramones. Dee Dee machte direkt danach solo weiter – als Rapper. Das hab‘ ich mir noch nie angehört, gibt es auch so gut wie nicht zu kaufen, kann ja aber wohl nicht gut gewesen sein!

Im Vergleich zum Vorgänger „Halfway to sanity“ klingt „Brain drain“ doch recht anders. Nicht direkt besser oder schlechter. Ein bisschen einheitlicher vielleicht, aber auch sehr „matschig“ im Sound.
Zwei Songs noch kurz:
„Merry christmas“ ist zwar als Lied nicht so schlecht, aber muss das sein, dass die Ramones ein Weihnachtslied machen? Sonst nur Songs über Teenager-Gedanken, was hat da Weihnachten zu suchen?
Aber… auf dieser Scheibe hier sind kaum Teenager-Gedanken vorhanden. Vier bis fünf Stücke ließen sich in diese Kategorie einordnen, aber demgegenüber sind sogar politische Aussagen (in geringen Dosen) vorhanden. So gesehen ein reife Platte.
Also: mit 15 Jahren Band auf dem Buckel kann man schonmal an Weihnachten denken, oder? Ich find’s trotzdem etwas kacke. Und ich find‘ halt auch Weihnachten scheiße. Wegen mir könnte das gerne jedes Jahr ausfallen.

Dann wäre da noch „I believe in miracles“, mein Lieblingssong von der CD. Und zwar erstens weil’s ein gutes Lied ist, zweitens weil ich auch an Wunder glaube (nicht im religiösen Sinn!) und drittens, weil vor vielen Jahren mal, direkt nachdem ich die zarten Lippen meiner Angebeteten küssen durfte, dieser Song (in der Disco) gespielt wurde. Das ist ja quasi schon ein Zeichen, oder?

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7. Pleasant dreams (1981, 33:53)
Das Cover von „Pleasant dreams“ könnte durchaus das schlechteste der Ramones überhaupt sein. Es fällt zwar sofort ins Auge und eignet sich auch ganz nett wegen des Titels der Platte, passt aber überhaupt nicht zu deren Stil. Auch das „Brain drain“ Cover ist nicht besonders gut, hat aber zumindest eine gewisse düstere, schräge Qualität.
Ansonsten ist dies – von nostalgischer Schönfärberei abgesehen – meine liebste Ramones-Scheibe aus den 80ern. Hier schaffen es die Jungs ganz gut, nochmal den Sound der 70er Platten aufleben zu lassen und trotzdem ein kleines bisschen moderner zu klingen. Für Johnnys Geschmack vielleicht ein bisschen zu soft, die ganze Sache, aber ich mochte das ja immer gern.

Von den Songs her gibt ein ein paar mittelmäßige, aber auch eine ganze Reihe sehr guter Stücke: „We want the airwaves“ wurde zwar live nicht sehr oft gespielt, rockt aber gut und sagt wo der Hammer hängt, nämlich dass Radio meistens scheiße ist.
„The KKK took my baby away“ handelt angeblich davon, wie Johnny Joey die Freundin ausgespannt hat. Das Lied wurde zum Beispiel von den „Ärzten“ gecovert.
Weniger bekannt, aber deswegen nicht schlechter, sind „Don’t go“, „She’s a sensation“ und „Sitting in my room“. Popsongs, allesamt.
„7-11“ ist eine knuddelige Schnulze, natürlich von Joey geschrieben. Den Song hab ich auch schonmal auf einem Mixtape drauf gehabt. Er passt ganz gut zu meiner Vorliebe für amerikanische Highschool Filme (besonders aus den 80ern), denn was gibt es klischeehafteres, als junge Liebende, die sich im 7-11 (Supermarkt) kennen gelernt haben. Am Ende wird sie allerdings vom Auto überfahren, insofern nicht ganz wie im Bubblegumfilm, wo es natürlich immer ein Happy End gibt.

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8. Animal boy (1986, 31:44)
Ich habe jetzt noch drei Plätze in meiner Rangliste und dafür sieben Alben zur Auswahl. Das ist mir sehr schwer gefallen. Keine dieser sieben Platten ist schlecht und keine ist makellos. Am häufigsten gehört habe ich wahrscheinlich „Adios amigos“, „Subterranean jungle“ und „Halfway to sanity“, was natürlich auch damit zu tun hat, wann ich mir diese und die anderen Scheiben gekauft habe. Gerade die genannten drei sind allerdings nicht in der Top10 vertreten. Auch „Acid eaters“ ist nicht dabei, denn die enthält zwar großartige Coverversionen, aber eben NUR Coverversionen und das finde ich ein bisschen schwach.

Ich habe mich schließlich entschieden, nach der Anzahl an „Hits“ oder wenigstens persönlichen Lieblingsliedern zu gehen. Und somit kommt jetzt „Animal boy“ auf Platz 8. Ich weiß noch, wie ich die CD kaufte – gebraucht, denn sie war bis dahin nur in Japan erschienen (auf CD) und ich kaufte natürlich keine neuen Japanimporte. Beim ersten Anhören dachte ich: „ach du scheiße, was is jetzt los?“.
Nett ausgedrückt ist „Animal boy“ die experimentellste CD der Ramones. Man könnte auch von totaler Ziellosigkeit sprechen. Nach vielen, vielen Hördurchgängen habe ich mich jedoch mit den meisten Songs angefreundet.

„Somebody put something in my drink“ ist und war ein Klassiker, der wie kein anderer Song der Ramones die Punk- und Metalfans in den 80ern vereinte. Das liegt natürlich auch ein wenig am Sound, denn „Animal boy“ und auch „Halfway to sanity“ und „Too tough to die“ hatten einen leichten Hardrock-Touch. Zum Glück nicht so wie beispielsweise bei den UK Subs oder GBH, die Mitte der 80er nur noch einschläfernde Midtempo-Songs machten. Eher schon vom Sound der Gitarre und des Schlagzeugs her. Es bleibt immer noch alles deutlich als Ramones erkennbar.
„Love kills“ ist ein typischer, abgedrehter, guter Song von Dee Dee.
So nah wie bei „Bonzo goes to Bitburg“ sind die Ramones einem Radio-Pop-Hit möglicherweise nie wieder gekommen. Der Song hat vielleicht ein paar Keyboards zu viel, allerdings auch einen kritischen Text, der sicher auch dafür verantwortlich war, dass er eben nicht im Radio gespielt wurde. Zwar gab es in Amerika offenbar eine Mehrheit, die gegen Reagans Besuch auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg war, jedoch wurde der amerikanische Präsident hier auch quasi als Affe bezeichnet, indem er mit dem Namen des Schimpansen „Bonzo“ aus einem seiner Filme angesprochen wurde. (Allerdings sind die Ramones hier etwas spät dran, denn genau das hatten The Damned 1982 auch schon  getan.)
„Mental hell“ und „Crummy stuff“ sind vielleicht etwas unscheinbar, aber ganz gut. Die besonders unkonventionellen Songs „Apeman hop“ und „Eat that rat“ gefallen mir allerdings nicht. Sie wirken auch verkrampft, die Ramones-typische Leichtigkeit fehlt leider ganz.

Insgesamt also eine etwas durchwachsene Platte, die inmitten von dem ganzen Müll, der in den 80ern so in Punkto „Rock“ und „Punk“ fabriziert wurde, allerdings noch ganz gut dasteht.

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9. Too tough to die (1984, 36:13)
„Too tough to die“ war die fünfte Platte, die ex-Drummer Tommy Ramone (mit-)produzierte. Die anderen vier waren die Alben Nr. 1-4 gewesen, die hier auf Platz 1-4 stehen.
Johnny Ramones bezeichnete diese Scheibe dann auch als eine Rückkehr zur alten Form und es ist auf jeden Fall eine der besseren Ramones-Platten. Ich habe leider keine echte Beziehung zu ihr, aber davon abgesehen ist sie sogar besser als die oben schon genannte „Animal boy“. Trotzdem ist auch dies eine Platte mit vielen Kompromissen an die 80er. Das geht beim Drumsound los, steigert sich durch die teilweise exzessiv genutzten Keyboards und macht auch vor dem generellen Pop-Appeal der Songs nicht Halt. Nichtsdestotrotz sind hier auch einige besonders harte, schnelle Ramones-Songs drauf.

Vertretene Hits auf der Platte sind zum Beispiel „Mama’s boy“, „Durango 95“ und „Wart hog“.
Dass ich mir die CD erst spät – genau genommen als letzte von allen – zulegte, begründet sich in ihrer Günstigkeit. Ja, tatsächlich: jahrelang war dies die einzige Platte der Ramones, die es zum Midprice gab (gelbes Ausrufezeichen auf dem Cover). Ich nahm daher an, sie müsse wohl nicht so besonders gut sein.
Bestätigt wurde ich darin von einem Kumpel. Der wollte nämlich irgendwann mal „auch was von den Ramones“ haben und kaufte sich dann – logisch – die billigste CD wo vorhanden gewesen sein tat.
Ich – ganz der Fanatiker – fragte sofort nach, wie die denn sei. Und er meinte: nicht so toll. Dann hörten wir sie einmal gemeinsam und mit dem bereits gebildeten Vorurteil hörte sie sich für mich dann auch nicht so besonders gut an. Das lag sicher auch daran, dass ich früher gerade die oben genannten „Hits“ gar nicht so gut fand.

Letztlich sind aber doch eine ganze Menge guter Songs hier drauf. „Too tough to die“ könnte Dee Dee’s Hymne sein, auch wenn sie sich dann leider nicht bewahrheitete.
„Danger zone“, „Chasing the night“, „Planet earth 1988“, „Humankind“ und „No go“ sind alles gute Lieder, die ich immer gerne anhöre. Nur „Endless vacation“ kann ich nicht leiden. Bleibt noch ein Song unerwähnt und der ist schon ein bisschen besonders für Ramones-Verhältnisse:
„Howling at the moon“ ist das merkwürdigste und poppigste Ramones Lied wo gibt. Mit echten 80s Keyboards, was wohl zum großen Teil auch an der Produktion von Dave Stewart (Eurythmics) liegt.
Trotzdem finde ich dieses Stück sehr toll und zwar aus zwei Gründen:
Erstens zeigt es, wie in einem 80er Popkontext auch Punkrock funktionieren kann. Und dass die Ramones wandlungsfähiger sind, als so mancher gedacht hätte.
Zweitens ist dieses Lied auch auf der „Mania“ Zusammenstellung und jene hatte ich direkt nach dem Kauf von „Brain drain“ auf Tape gebannt. Sie lief fortan dauernd und daher sind alle Songs davon für mich Klassiker. Das sind die Ramones wie ich sie kennen lernte. Gefiel mir auch besser als „Brain drain“, dieser Mix von 76-87.

„Too tough to die“ ist auf jeden Fall eine Anschaffung wert und hat zusätzlich auch endlich mal wieder ein richtig gutes Coverfoto zu bieten!

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10. End of the century (1980, 34:14)
Nachdem Tommy Ramone die ersten vier Platten produziert hatte, wollten die Ramones mal jemand anderen ausprobieren und wählten ihren alten Helden Phil Spector, Produzent vieler 60s Hits.
Leider war die Kombination nicht ideal, es gab viel Stress bei den Aufnahmen und zusätzlich drückte noch die Ambition, mit der Musik endlich auch mal Geld zu verdienen.

Im Ergebnis ist „End of the century“ auch eindeutig eine Ramones-Platte, jedoch eine mit seltsamem Sound. Bei einigen Songs fällt dies nicht so auf, bei anderen denkt man, dass hier jemand nicht ganz verstanden hat, was die Ramones eigentlich sind. Zusätzlich muss man sagen, dass im Gegensatz zum Vorgänger die Ideen langsam ausgingen. Und diese beiden Aspekte zusammen sorgen dann dafür, dass zwar keine schlechte, aber eine der schlechteren Ramones-Platten rauskommt.

Mit „Do you remember rock ’n‘ roll radio?“, „Chinese rock“ und „Rock ’n‘ roll high school“ sind trotzdem einige legendäre Titel drauf. Ich persönlich finde jedoch alle anderen neun Songs nur ok. Keinesfalls sind sie Ausfälle, auch besser als viele einzelne Stücke auf späteren Platten, aber sie begeistern nicht richtig.

Zu sagen bleibt noch, dass natürlich für den richtigen Ramones-Fan auch die vier hier nicht angesprochenen LPs „Subterranean jungle“ (1983), „Halfway to sanity“ (1987), „Acid eaters“ (1993) und „Adios amigos!“ (1995) unverzichtbar sind.

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Die Remaster-CDs
Als Remaster mit Bonustracks liegen nur die Alben von 1976-1984 (bis einschließlich „Too tough to die“) und die letzten vier Studioalben („Brain drain“ bis „Adios amigos!“) vor.
Die erste genannte Hälfte und die zweite unterscheiden sich jedoch erheblich. Auf den CDs ab „Brain drain“ findet sich jeweils nur ein Bonustrack, der kaum eine Zweitanschaffung lohnt und auch auf anderen Tonträgern zu finden ist (wenn auch manchmal nicht so leicht).
Dagegen sind die ersten acht Studioalben gut ausgestattet mit Bonusssongs, bei denen es sich überwiegend um Demos handelt. Manche dieser Demos unterscheiden sich kaum von den Studioversionen, andere bieten auch Songs, die bisher gar nicht veröffentlicht waren.

Kurze Infos zu allen diesen Rereleases:
„Ramones“: acht Demos, darunter zwei „neue“ Songs und einige, die erst auf der nächsten Platte erschienen sind. Gut, aber eher was für den richtigen Fan.
„Leave home“: als Bonus ein 16-Song Livekonzert von 1976, höchste Empfehlungsstufe!
„Rocket to russia“: nur fünf Bonustracks, interessant aber eher verzichtbar.
„Road to ruin“: fünf Bonustracks, die den Kauf des „Rock ’n‘ roll high school“ Soundtracks überflüssig machen. Außerdem zwei unveröffentlichte Songs dabei, also eine gute Sache.
„End of the century“: sechs Bonustracks, ok, aber nicht essentiell.
„Pleasant dreams“: sieben Bonustracks, alles neue Songs, darunter einige B-Seiten und einige Demos von später veröffentlichten Stücken. Sehr gut!
„Subterranean jungle“: sieben Bonustracks, auch hier sehr wertig, teilweise besser als die regulären Albumsongs.
„Too tough to die“: 12 Bonustracks, darunter zwei reguläre B-Seiten, drei Albumtracks mit Dee Dee statt Joey an den Vocals und zwei unbekannte Songs. Kaufen!

Zu den Live-CDs dann nächste Woche!

Stay alive and rock on
Harvey

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One thought on “Ramones: Top10 Longplayer

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