Big Country Top10 Longplayer

Nach dem Big Country „Revival“ letztens habe ich mich also dafür entschieden, direkt von denen eine Album-Top 10 zu liefern. Allerdings ist der Titel etwas irrführend, denn BC haben zwischen 1983 und 1999 nur acht Langspieler veröffentlicht. Also ist es tatsächlich eine Top8!

Nicht berücksichtigt werden hier all die Compilations und B-Seiten-Zusammenstellungen und auch nicht die paar EPs. Allerdings werde ich am Ende noch einen Tipp für die beste Live-CD geben (da gibt’s auch ’ne Menge, aber auf die meisten kann man verzichten).

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All-time Top8 Big Country-Scheiben:

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1. The buffalo skinners (1993, 59:14)
Die rockigste Platte, die die Gruppe überhaupt gemacht hat. Der Studioschlagzeuger (Mr. Simon Phillips) haut richtig rein und mit wenigen Ausnahmen hat man es mit Songs der Richtung „Uptempo“ zu tun.
Dazu gibt es eine Neuerung im Gitarrenbereich: während bisher Lead- und Rhythmusgitarre zumeist klar hörbar neben- oder nacheinander gespielt wurden, so erklingen bei den „Buffalo skinners“ meistens zwei Gitarren gleichzeitig und dies auch noch in fettem Sound.
Das hat möglicherweise auch etwas mit Chris Sheldon zu tun (für z.B. einige gute Therapy?-Platten verantwortlich), der zwar nicht als Producer erwähnt ist, aber immerhin als „Recorder“. Außerdem zeugt dieser Sound von neuem Selbstbewusstsein. So gesehen eine regelrechte Comebackplatte.

Lustigerweise stieg Mark Brzezicki nach der Tour zu dieser CD wieder bei BC ein. Er hatte bei „No place like home“ als Studioschlagzeuger ausgeholfen, war aber nicht live dabei gewesen und hier war es dann genau umgekehrt.

Ich finde alle Songs der CD sind sehr gelungen, dennoch kann ich meine persönlichen Favoriten ausmachen:
„Pink marshmellow moon“ hat  einen romantischen Touch und sehr ansprechende Gitarren. Ganz groß!
Besonders rockig und dennoch nicht in schnöden Hardrock abdriftend sind „What are you working for“ und „The selling of America“. Hier sehr gute Rhythmusarbeit und trotz einer gewissen Andersartigkeit gegenüber früher die typischen BC-Gitarren (wie sie aber auch bei den meisten anderen Songs zu hören sind).

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2. Steeltown (1984, 48:02)
Auch wenn die künsterlische Darstellung eines Kraftwerks und des damit verbundenen menschlichen Tuns auf dem Cover dieser Platte durchaus zum Titel „Steeltown“ passt (und auch zu den Texten der Platte), so finde ich sie dennoch daneben. Sieht einfach unattraktiv aus.
Aber gut – ein Bandfoto wäre wahrscheinlich auch nicht besser gewesen. Im Booklet sehen wir die Leute in Arbeiterhemden mit Hosenträgern und böser Miene vor einer Fabrik stehen. Lediglich Stuart Adamsons Frisur kommt ein wenig zur Geltung.

Eine Frisur übrigens, die mir immer sehr gut gefallen hat. Wobei man da eher von mehreren Frisuren sprechen müsste, denn die Haartracht des Sängers änderte sich mit den Jahren. Am Anfang holte er ein bisschen den Punk nach mit einem modernen 80er Style verbunden. Also kurz, hochgestylt, wild und ein wenig spiky. Das sieht ziemlich cool aus.

Big Countrys zweite ist weniger roh und ungeschliffen als die erste, der Sound ist dichter und daher auch sehr atmosphärisch. Solch ein leicht überproduzierter poppiger Sound wie auf „The seer“ ist es aber noch nicht. Gut so.
„Steeltown“ liefert Beispiele, was für tolle Gitarrenklänge möglich sind und welch eine Menge schöner Melodien es doch gibt. In Zusammenarbeit mit der Rhythmusgitarre oder Mandoline und einer warmen aber tighten und ein klares Marschkommando gebenden Schlagzeug-Bass Kombination wird so der Beweis erbracht, dass ein Spagat zwischen richtigem Rock, New Wave und 80er Pop möglich ist.
Die Songs dieser CD bleiben im Ohr haften und gehen teilweise sogar noch tiefer, denn sie sind emotional und einfallsreich. Die Texte können dies auch von sich behaupten und ich persönlich störe mich keineswegs an den Bezügen zur Arbeiterklasse.

Welcher Song ist besonders hervorzuheben? Eine ungemein schwere Frage. Spontan sage ich „Flame of the west“, doch dann füge ich gleich hinzu „Steeltown“ und „Just a shadow“ und, und…

„Flame of the west“ beginnt mit diesem wahnsinnig genialen Basslauf, zu dem sich dann die Leadriffs und die schrammelige Gitarre gesellen. Dieser Song birgt so viele – wenn auch unklare, verschwommene – Erinnerungen, einmalig!

„East of eden“ bietet sehr gutes Schlagzeugspiel und dazu Big Country-typische Gitarren: Dudelsack-ähnliche Geräusche. Ich liebe diesen Song!

„Steeltown“ hat etwas Hypnotisches, eine Spannung, die sich aufbaut und entlädt. Ein Klassiker!

„Where the rose is sown“ taugte als Single gut, da es „eingängiger“ ist und dennoch interessant mit einem traurigen Text. Zusätzlich ein geiles Solo von Stuart.

„Come back to me“ ist ein akustischeres, leicht folkiges Lied, ebenfalls sehr traurig. Intensiver Gesang und kleine Details machen dieses zu einem Songjuwel.

Und so könnte ich jetzt noch über die restlichen fünf Stücke schreiben, aber dem Leser dürfte jetzt schon klar geworden sein, wie überaus herausragend ich „Steeltown“ finde.

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3. The crossing (1983, 48:24)
Da ich erst kürzlich etwas über diese Platte gesagt habe, verweise ich mal auf meine Seite dazu.

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4. Peace in our time (1988, 66:02)
Hier kommt die Pop-Platte von Big Country! Naiv, schnulzig, keyboardlastig und dennoch eindeutig Big Country und richtig toll.
War aber auch meine erste von denen. Da ist man ja immer sehr geneigt. Das ist die Magie des Ersten Mals.

„Peace in our time“ ist nicht nur irgendein Titel sondern ein Anliegen von BC im Jahre 1988. Das ist gut.
Ansonsten ist der Sound hier noch mehr glattgebügelt als auf „The seer“, die Keyboards sind lauter und alles ist sehr gefällig. Klingt ja nicht so gut – aber es ist eindeutig BC!

Meine Liebe zu dieser CD ist mit darin begründet, dass es die erste Platte der Band war, die ich kennen lernte und dass wir verdammt oft sehr gut gefeiert haben mit dieser Musik.
Im Freundeskreis war die Band so ca. ab 1989 sehr beliebt und alle meine Kumpels hatten eine oder mehrere CDs von ihnen. Ich kaufte mir als erstes „Peace“, dann „Steeltown“ und etwas später „The crossing“ und gerade die beiden erstgenannten wurden bei der Abendunterhaltung andauernd gehört. Da gab es gar keine Frage, ob jemand da Lust drauf hatte, denn es war klar: Big Country wollten alle immer hören!

Vertreten sind auf dieser Scheibe alle Stimmungen: eine der schönsten BC-Balladen mit „Everything I need“, ein Instrumentalstück „The travellers“, ein Rocker: „King of emotion“. Und auch einige Hymnen: „Broken heart“, „Peace in our time“ und dazu mal wieder Lyrics aus dem Leben, die sich sehr gut in Stimmungen von ganz normalen Menschen reinversetzen.

Ich empfehle diese CD allen, die rockigere Töne im 80er Pop mögen, die Big Country sowieso mögen oder die sich an einen der genannten Songs mit Freude zurück erinnern.

Sicher insgesamt eine für die Rock- und Popgeschichte eher vernachlässigbare Scheibe, jedoch für BC wichtig (zur Selbstfindung) und für mich selber noch mehr, ein All-time-Klassiker!

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5. The seer (1986, 46:53)
Also im Vergleich zu anderen Big Country-LP-Covern geht das hier ja noch. Wenngleich mir nicht klar ist, was es soll. Es kommen jedenfalls keine Adler auf der Platte vor.

„The seer“ ist eine hervorragende CD, die jedoch ein paar kleine Minuspunkte bei mir bekommt. Mein persönlicher Minuspunkt ist, dass es für mich die letzte der 80er Big Country-Platten war, welche ich mir kaufte. Dementsprechend habe ich sie weniger häufig gehört als die anderen und wir haben sie auch als Jugendliche bei Meetings nicht oft an gehabt (zumal die sehr oft bei mir zuhause stattfanden).
Dazu kommt, dass diese CD – ebenso wie „Peace in our time“ – sehr vom Zeitgeist beeinflusst ist. Die Produktion (und dabei besonders die getunedten Drums) ist voll im 80er Stil. Zusätzlich zeigen sich ganz leichte Hardrocktendenzen.

Das hervorragende und zum Teil wilde Wechselspiel der zwei Gitarren ist hier meistens weit nach hinten gemixt und dient vor allem dazu, den beliebten und für BC „typischen“ Dudelsackklang zu produzieren.
Auch der Gesang hat weniger Seele als noch vorher und in den 90ern. Dafür gibt’s mit Kate Bush eine berühmte Gesangspartnerin bei dem Song „The seer“, die im selben Jahr übrigens auch im Duett mit Peter Gabriel sehr erfolgreich war.
Was jedoch ohne Wenn und Aber für die CD spricht, sind die hervorragenden Songs.
Mit „Look away“ geht es los und dies ist auch der größte Hit der Band in Deutschland. Ein bisschen abgedroschen inzwischen, aber ich höre ihn immer noch gerne.
Weitere relativ erfolgreiche Singles waren die Rocknummer „One great thing“ und die Ballade „Hold the heart“.
Ich persönlich finde die Stücke „I walk the hill“ und „Red fox“  etwas schwächer als den Rest. Dazu ist allerdings auch zu sagen, dass die Liveversion von „I walk the hill“ aus der Zeit (ebenso wie alle anderen der Songs live) anders und besser klingt. Eben rockiger und spontaner.

Die restlichen bisher nicht genannten fünf Songs sind alle sehr stimmungsvolle grandiose Perlen, die leider später im Programm bei BC viel zu kurz kamen. Ich finde sogar, dass durch diese Lieder eine Gesamtstimmung entsteht, die weit mehr als bei den Vorgängeralben „The crossing“ und „Steeltown“ die schottischen Highlands – oder meinentwegen auch Küsten und Inseln – beschwört und somit auch ein traditionelles folkiges Feeling transportiert. Und das, obwohl hier kaum „echte“ Folkmomente zu hören sind.

Erstaunlicherweise ist dies auch die einzige BC-Platte, bei der Stuart Adamson alle Songs im Alleingang geschrieben hat. Das überrascht umso mehr, da die beiden Vorgänger von der gesamten Band als Kollektiv geschrieben wurden. Ich kann dafür leider keine Begründung liefern, obwohl ich bezüglich der BC-Biografie recht gut informiert bin. Ich folgere nur, dass der Zusammenhalt der Band in dieser Phase entweder nicht so gut war, oder Adamson viel Zeit hatte und deswegen sehr schnell einen ganzen Batzen neuer Songs parat hatte.

Menschen, die Big Country bereits kennen und gut finden, kann ich diese CD nur empfehlen. Allen anderen empfehle ich sie eher nicht, denn sie klingt halt eindeutig nach 80ern. Die Spuren von Punk und New Wave, die man vorher noch hören konnte, sind gänzlich verschwunden.

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6. Driving to Damascus (1999, 73:50)
Diese CD gibt es in mehreren Versionen. Abgebildet ist die europäische Variante mit mehreren Bonustracks (B-Seiten der Singleauskopplungen), die 2000 erschien. Daneben existiert die limitierte Erstauflauflage (von 1999), die nur die ursprünglichen Albumsongs enthält und zwei Stücke von Stuart Adamsons kurzzeitiger Zweitband The Raphaels.  Ja und dann gibt’s auch noch die amerikanische Version unter dem Namen „John Wayne’s dream“ (veröffentlicht erst 2002), die mit einigen Remixen und anderen Bonustracks als die europäische Pressung aufwartet. Kompliziert das alles!

Big Country ließen ihre Fans in hohem Maße an der Entstehung von „Driving to Damascus“ teilhaben. Bereits 1998, als zur großen Erleichterung der Anhänger die Band damit begann, neue Songs zu schreiben, konnte man auf der Website die  „In the scud“ EP bestellen, die erste Demos hören ließ. Das war toll, nicht nur weil diese Songs gut klangen, sondern auch, weil drei Jahre nach der weniger erfolgreichen „Why the long face“ nicht klar gewesen war, ob oder wann es nochmal ein neues Album geben könnte.
1999 kam dann noch ein zweiter Teaser nach, nämlich die „Bon apetit!“-EP, ebenfalls auf der Website erhältlich. Damit hatte man nun bereits 38 Minuten neues Material und der erste Eindruck war deutlich besser als die Vorgänger-CD.

Ein echt schönes Abschiedsalbum ist „Driving to Damascus geworden“. Der Sound ist insgesamt rau, trotzdem mit kleinen Folkeinsprengseln angereichert und die Songs bieten von Ballade über Pop bis richtig Rock alles.
Zum Einstieg dröhnt bei „Driving to Damascus“ erstmal ein Motorrad los und entsprechend gut geht das Lied auch ab.
„Dive into me“ ist eine angeschnulzte Popnummer mit hohem Mitsingfaktor, die genau passt.
Dann kommen die drei zusammen mit „Bella“ langweiligsten Songs der CD. Auch wenn „See you“, „Perfect world“ und „Somebody else“ als Singles ausgekoppelt wurden, so haben sie doch nur recht uninspirierte Standardware zu bieten. Das schmerzt nicht, reißt aber auch nicht vom Hocker.
Dann mit „Fragile thing“ eine der schönsten Big Country-Balladen überhaupt. Groß! Und der Co-Gesang von Eddie Reader ist auch sehr schön.
Die nächsten beiden – „The president slipped and fell“ sowie „Devil in the eye“ – sind wieder etwas rockiger, hätten gut bei „Buffalo skinners“ reingepasst.
Dann noch drei atmosphärischere Stücke, die mysteriös angehaucht sind und nicht so sehr auf Refrains setzen, vielleicht auch etwas pessimistisch und traurig im Unterton klingen. Ein schöner Ausklang, zu dem die Bonussongs mit Rock der einfallsreichen Sorte noch einen kräftigen Gegenpol setzen.

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7. No place like home (1991, 60:18)
1991, ein seltsames Jahr für Big Country: Drummer weg – ein herber Verlust. Und dann diese verwirrende neue CD „No place like home“. Zuvor war es noch geradewegs in Richtung Pop gegangen. Die ein Jahr früher aus der „Through a big country“-Best-of ausgekoppelten Lieder „Heart of the world“ und „Save me“ waren zwar beide ohne Brzezicki aufgenommen worden und etwas steril produziert, aber dennoch super. Sie zeigten aber überhaupt nicht, wo es denn bei diesem neuen  Longplayer hingehen sollte.
Hier hört man nämlich ganz andere Schwerpunkte: Country und verwandter Stile wird mit Akustik, slide guitar und honky tonk piano gehuldigt. Für mich war das eine angenehme Überaschung, ich bin nämlich nicht für die Wiederholung alter Songs und Schnulli-Pop.
Dennoch hat „No place like home“ Schattenseiten: nicht alle Songs sind besonders interessant und insgesamt fehlt ein wenig der Rock.
Zu bieten haben den Rock vor allem „Republican party reptile“ und „We’re not in Kansas“ – zwei Songs die damals auch zu den Favoriten im Freundeskreis gehörten.
„Beautiful people“ ist ein nettes Stück im neuen Outfit (d.h. Richtung Country), das Laune macht und auch niemandem weh tut.
Viele der Songs kann man auf „Rarities V“ als Demoversion hören und da machen die meisten einen besseren Eindruck. Womit ich nicht sagen möchte, dass die Songs schlecht seien! Nehmen wir mal „Beat the devil“ und „The hostage speaks“, die beide großartig sind. Allerdings holen Arrangement und Produktion nicht alles aus ihnen raus, sondern verschleiern ihre Großartigkeit eher.
Aber natürlich kann man da auch anderer Meinung sein. Manche Menschen begrüßten die Abkehr vom 80er Popsound sehr und konnten sich daher für die Platte mehr begeistern als ich.
Und sie ist auch nicht schlecht, wir haben sie in der Clique beim Erscheinen ohne Ende gehört. Zum Beispiel verdienen „Dynamite lady“ und „Keep on dreaming“ auf jeden Fall ein Reinhören.

Was dem Album aber letztlich fehlt, sind das Herzblut und die guten Texte der anderen Platten. Im Vergleich mit dem meisten was andere Bands veröffentlicht haben ist es immer noch gut, aber für BC-Verhältnisse ein leichter Einbruch.

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8. Why the long face (1995, 60:03)
Ach ja, einer muss halt den letzten Platz belegen.
Als „Why the long face“ herauskam, fand ich die Platte super! Ja, ich merkte schon, dass sie nicht so gut wie „Buffalo skinners“ ist, aber ich habe sie trotzdem ständig gehört.

Und als abgespeckte, das heißt weniger harte, poppigere und weniger überraschende Version von „Buffalo skinners“ ist sie auch nicht schlecht. „You dreamer“, die erste Single, rockt ganz gut. „Sail into nothing“, „Wildland in my heart“, „Send you“,  „Take you to the moon“ und „Blue on a green planet“ sind eingängige Mitsinglieder, die leider etwas oberflächlich bleiben.
Die für BC unkonventionelleren Songs „I’m not ashamed“, „Thunder and lightning“, „Charlotte“ und „Postnuclear talking blues“ können mich leider nicht vom Hocker reißen, sondern bleiben vor allem als „seltsam“ im Gedächtnis.

Was bleibt, ist eine nette Platte, die aber kaum wie Big Country klingt und auch wenig Seele und nur sehr oberflächliche Texte zu bieten hat.

Warum das lange Gesicht???
Ja wegen dieses Albums, mann, verdammt!

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Livetipp:

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Without the aid of a safety net (1994, 68:38 bzw. 132:23)
Wir sind Big Country! Wir leben 1994 immer noch und wir haben jetzt einen neuen Sound, der euch aus den Sesseln haut! Aber wir können auch mal unsere sanften Seiten zeigen ohne uns zu schämen, ja wir spielen sogar akustische Musik, obwohl uns MTV nicht eingeladen hat!
Hey, wenn das nicht ein Statement echten wiedergewonnenen Selbstbewusstseins ist! Da konnte selbst Mark Brzezicki  nicht anders, als nach der Tour wieder festes Bandmitglied zu werden.

Auch die Songsauswahl macht dies deutlich: die Platte, mit der Big Country ihren eigenen Stil kreierten und zudem noch ungemein erfolgreich waren (vor allem in GB), war ihre allererste „The crossing“. Und auf diesem Liveteil hier befinden sich zum Grossteil Stücke von dieser allerersten BC-Platte und eben der aktuellen Scheibe „The buffalo skinners“.

Zunächst mal bekommt man allerdings die Akustikversionen zu hören, was man von BC bisher noch nicht kannte. Das folkt eher als dass es rockt, macht aber Laune. Bevor es dann anfängt, langweilig zu werden – denn wer kann sich schon eine Stunde Akustikmusik anhören? – stöpseln die Jungs die Kabel rein und rocken was das Zeug hält. Alte Songs in neuem Gewand und neue Songs noch dynamischer als im Studio. Brzezicki drückt allem seinen unverkennbaren Stempel auf, Stuart Adamson scheut sich nicht vor wilden Gitarrensoli und Bruce Watson schrubbt was das Zeug hält.

Jetzt mag man denken, wir hätten es hier mit Speedmetal zu tun oder so. Natürlich nicht. Alles ist noch als Musik erkennbar und wer einmal Big Country gehört hat, wird sie auch wiedererkennen. Aber Zurückhaltung und wenig Verzerrer gibt es nicht mehr.

Genau diese Tour war es auch, auf der ich BC endlich mal live sehen konnte. Im Turnus davor war „mein“ Konzert leider ausgefallen – sehr ärgerlich. Diesmal gab es dann kein Halten mehr und wir besuchten gleich zwei Auftritte. Das war viel: sind ja arme Studenten gewesen und irgendwann macht die Gurkerei mit dem Auto auch keinen Spass mehr.
Nunja, zwei BC-Konzert 1993! Sie waren auch beide ausgesprochen toll. Beim ersten war die CD noch nicht raus, aber trotzdem eine riesen Stimmung. Das war auch mein erstes selbstgebootleggtes (welch ein Wort!) Konzert. Leider machte der Walkman nicht so mit wie er sollte (ja genau, die Technik war Schuld, nicht der Anwender!) und einige Songs gingen verloren. Aber ich hielt trotzdem eine authentische, einmalige Aufnahme in Händen, für die Hardcore-Fans sicher Hunderte hingelegt hätten!

Es gab dann beim zweiten Konzert ein offizielles Bootleg des ersten zu kaufen.

Genau dafür schiebt man sich den Walkman in die Klöten und geht im Storchgang bis zur Bühne und leidet 100 Minuten unter Paranoia! Damit die das dann selber aufnehmen und in viel besserer Soundqualität verscheuern! Toll gelaufen.
ABER: die zweite Zugabe (ein sehr geiles „Porrohman“) war nicht auf dem offiziellen, aber auf meinem Bootleg! Hat sich der ganze Ärger doch noch gelohnt. Nennenswert außerdem, dass hier „Don’t fear the reaper“ gespielt wurde, eine Blue Öyster Cult-Coverversion, die auf einer der Maxi-CDs von „Ships“ enthalten war.
Diese Maxi war in Deutschland nicht erschienen und auch während meines Schottland-Aufenthaltes konnte ich sie nicht bekommen, so dass er (in der BC-Version natürlich) zu einem der begehrtesten Songs überhaupt für mich wurde. Es ist mir erst nach Jahren gelungen, das Teil zu erstehen.

Was ich nicht verstehe, ist der Titel der CD. Wieso ohne Netz? Weil man im Studio die kleinen Verspieler und die alte Krächzstimme  noch wieder ausbügeln kann? Aber würde man denn ohne dieses abstürzen und sich alle Knochen brechen, so wie ein Zirkusakrobat? Sehen BC es als ein derartiges Risiko an, live zu spielen? Interessante Schlussfolgerung, vor allem weil sie in krassem Gegensatz zu meiner Einleitung oben von dem tollen Selbstbewusstsein der Gruppe steht.

Egal, trotzdem eine super Live-CD mit guten Versionen, Livestimmung und gutem Sound!

Seit einigen Jahren gibt es die CD auch als doppelte mit zusätzlichen Songs, die ursprünglich nicht dabei waren. Diese Neudeition ist gut, aber nicht notwendig. Wer Big Country aus den 90ern kennen lernen will, kann auch zur Einzel-CD greifen.

Stay alive and rock on
Harvey

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3 thoughts on “Big Country Top10 Longplayer

  1. Pingback: 1999 Top20 Longplayer | Hitlist

  2. Täch,

    wollte nur sagen, dass bei The seer sehr wohl Adler vorkommen.

    The eagles soars above the clouds
    The deer ran in the hills
    And I may walk in cities
    where the wolf once had his fills

    Der Besserwisser.

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